Position: Ausbildung generale: Berufliche Orientierung neu denken

Die Qual der Berufswahl

Schüler_innen wünschen sich zu aller erst einen Beruf, der Spaß macht. Indes hat nur ein knappes Drittel aller Schüler_innen eine konkrete Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft (Studie: Schule, und dann? 2014, S. 4). Die zunehmend komplexere Arbeitswelt stellt junge Menschen heute verstärkt vor die Qual der Berufswahl. Überdies konfrontiert die frühere Einschulung Jugendlichen heute in noch jüngeren Jahren mit der Entscheidung über ihre berufliche Zukunft. Oftmals stehen sie dabei orientierungslos auf weiter Flur. Woher sollen Schüler_innen auch wissen, welcher Beruf zu ihnen passt, wenn sie nie in der Berufswelt waren? Unkenntnis über die Möglichkeiten, fehlende Einblicke in die Berufswelt, Verhaftung in traditionellen Berufsbildern der Eltern (Studie: Schule, und dann? 2014, S. 4), hoher Entscheidungsdruck am Ende der Schulzeit (t-online.de, dpa, 21.03.2013) und die Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz des Berufs sind einige Faktoren, die als Stolpersteine bei der Berufswahl den Weg junger Menschen pflastern. Um ihnen überlegte Entscheidungen zu ermöglichen und Demotivation während der Ausbildung zu vermeiden, ist dringend mehr Unterstützung der jungen Leute erforderlich.

Freiwilligendienste als Raum zum „sich-Orientieren“

Der Bedarf an Raum zum „sich-Orientieren“ und „sich-Ausprobieren“ ist auch an der starken Nachfrage nach Freiwilligendiensten (Stemmer 2009, S. 29; Bildung in Deutschland 2010, S. 263; Bildung in Deutschland 2014, S. 86, 269) nach dem Schulabschluss zu sehen. Diese werden häufig als Freiraum für Überlegungen zur eigenen Zukunft genutzt (Stemmer 2009, S. 7). Dieser Freiraum wird jedoch primär von jungen Menschen mit höherem Schulabschluss wahrgenommen (Bildung in Deutschland 2014, S. 86). Hieran wird ebenfalls ein klarer Bedarf erkennbar, auch jungen Menschen, die kein Abitur ablegen, die Möglichkeit einer beruflichen Orientierungsphase einzuräumen. Dieses Papier stellt daher mit der Ausbildung generale eine Idee vor, die jungen Menschen Zeit und Raum geben soll, zu erkunden, welcher Beruf der Richtige für sie ist.

Die Idee der Ausbildung generale wurde auf dem Jungen Bildungskongress 2014 der Bildungsinitiative „Was bildet ihr uns ein? e.V.“, in der Zukunftswerkstatt „Berufliche Bildung“ entwickelt. Sie soll es ermöglichen, verschiedene Ausbildungsberufe auszupro-bieren, bevor die Entscheidung für den zukünftigen Berufsweg fällt.

Orientierungsphasen: Studium generale vs. Ausbildung generale

In der heutigen Gesellschaft und Arbeitswelt spielen neben der eigentlichen Berufswahl die Fähigkeiten sich Wissen selbst zu organisieren, anzueignen, fundierte Entscheidungen für den eigenen Lebensweg zu treffen, sowie über den eigenen Tellerrand hinaus zu denken, eine immer wichtigere Rolle. Diese Fähigkeiten sind für junge Leute im Studium und in Ausbildung gleichermaßen bedeutsam. Insbesondere bei den Orientierungsmöglichkeiten während des Übergangs in die berufliche Ausbildung klafft jedoch eine große Lücke zwischen Berufsausbildung und Studium. Einmal an der Hochschule angekommen, können Studierende im Rahmen des Studium generale relativ problemlos in verschiedene Fachrichtungen hineinschnuppern und so herausfinden, welches Gebiet ihnen am besten liegt. Darüber hinaus wird eine umfassende Allgemeinbildung gefördert und nachhaltiges Denken und Handeln erlernt. Gleichzeitig sollen problemorientiertes Denken, Verantwortungsbewusstsein und Interdisziplinarität geschult werden. Das Studium generale dient jedoch nicht dem Erwerb eines Bildungsabschlusses. Daher wird diese Möglichkeit heute vereinzelt auch als Orientierungsphase zu Beginn des Studiums an den Hochschulen (z.B. Universität Lüneburg, Technische Universität Berlin) genutzt. Im Anschluss entscheiden sich die Studienanfänger_innen basierend auf den Einblicken für eine Studienrichtung – eine Freiheit, die für Auszubildende nicht besteht.

In der beruflichen Bildung muss, durch die Kopplung an einen Betrieb, die Wahl für ein Berufsbild im Gegensatz zum Studium schon vor Beginn der Ausbildung getroffen werden. Dabei ist für den Ausbildungsverlauf auch die Wahl des Betriebs von hoher Relevanz, so werden z.T. in Industrie und Handwerk bei gleichem Ausbildungsberuf unterschiedliche Anforderungen gestellt und andere Arbeiten durchgeführt. Äquivalente Entscheidungs-probleme bestehen bei einem Wechsel innerhalb des dualen Systems vor Abschluss der Ausbildung. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass sich Auszubildende zudem in einem sehr viel stärkeren Abhängigkeitsverhältnis zum Ausbildungsbetrieb befinden, als Studierenden zur Universität. Die fehlende Orientierungsphase benachteiligt somit Auszubildende gegenüber Studienanfänger_innen. Dies wirkt sich zusätzlich dadurch negativ aus, dass nach wie vor insbesondere Jugendliche mit einem ersten allgemeinbildenden Schulabschluss und solche ohne Schulabschluss eine Berufsausbildung anstreben. Sie sind jedoch gegenüber Studienberechtigten, u.a. aufgrund ihres jüngeren Alters, mehr auf Unterstützung bei der Entscheidungsfindung angewiesen. Daneben wünschen sich auch Kinder alleinerziehender Eltern sowie Kinder mit Eltern aus sozial schwächeren Schichten mehr Unterstützung bei der Berufswahl (Studie: Schule, und dann? 2014, S. 5). Mit der Ausbildung generale könnte auch für diese Gruppen die Möglichkeit einer Orientierungsphase und Entscheidungshilfe geschaffen werden. Dies kann dazu beitragen, die hohe Zahl der Jugendlichen zu reduzieren, die schlussendlich nicht in ihrem Wunschberuf ausgebildet werden (Berufsbildungsbericht 2013, S. 36). 

Störfaktor Ausbildungsabbrüche

Seit Jahren erschrecken auch die hohen Abbrecher- und Vertragsauflösungsquoten im Bereich der beruflichen Bildung. Sie stellen eine ernsthafte Störung des Ausbildungs-prozesses dar. Für die Betriebe ist dies einen Unsicherheitsfaktor bei der Sicherung des Fachkräftenachwuchses und bereits investierte Ressourcen gehen verloren. Für die Auszubildenden ergeben sich, durch die Notwendigkeit einer biografischen Umorientierung, Misserfolgserlebnisse, Unsicherheitsgefühle und ebenfalls monetäre Einbußen. Besonders bestimmte Branchen, wie die Ernährungsindustrie oder die Möbel- und Umzugsservices, sind von anhaltend hohen Vertragsauflösungszahlen betroffen. Es zeigt sich jedoch auch, dass die Vertragsauflösungsquote stark mit dem Niveau des erworbenen Schulabschlusses zusammenhängt, d.h. bei jungen Menschen mit Hauptschulabschluss mehr als doppelt so hoch ist, wie bei jenen, die studienberechtigt sind (Berufsbildungsbericht 2013, S. 35f, Bildung in Deutschland 2014, S. 110f). Junge Menschen in die Lage zu versetzen, bewusste und nachhaltige Entscheidungen für ihr eigenes Leben zu treffen und herauszufinden, was sie beruflich machen möchten, kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten die Abbrecherquoten zu verringern und damit unnötige Kosten durch fehlinvestierte Mittel zu reduzieren.

Konzept der Ausbildung generale

Das Angebot einer einjährigen Ausbildung generale soll allen, die eine Berufsausbildung anstreben, unabhängig vom Schulabschluss, eine realistische Orientierungshilfe geben. Auf diese Weise kann verhindert werden, dass junge Menschen aus Ratlosigkeit die erstbeste Entscheidung treffen, die sich schnell als falsch oder unbefriedigend herausstellen kann. Hierzu ist es notwendig die Vielfältigkeit der möglichen Lebenswege aufzuzeigen und die jungen Menschen bei diesem Schritt in das Erwachsensein zu unterstützt.

Generelles Ziel der Berufsorientierung muss es sein, dass die Menschen lange Spaß an ihrem Beruf haben! Dafür müssen sie hinter der Entscheidung für ihre Berufswahl stehen. Eine Ausbildung generale kann die dafür notwendige Fähigkeit zur individuellen Selbstbestimmung unterstützen. Sie kann wieder Lust am Lernen wecken und fördern, indem die zukünftigen Auszubildenden ein realistisches Bild von dem vor ihnen liegenden Weg erhalten. Darüber hinaus erwerben die jungen Menschen strukturiertes Orientierungswissen, welches ihnen hilft mit der heutigen Informationsflut intelligent umzugehen. Demzufolge sollte das Vermitteln von Handlungs- und Entscheidungskompetenz für den eigenen Berufsweg Leitgedanke der Ausbildung generale sein. Die Freiheit sich auszuprobieren muss die zentrale Komponente des Orientierungsjahrs darstellen. Die Organisation des Jahres und die Unterstützung der Teilnehmer_innen ist somit primär auf das Eröffnen von Möglichkeiten zu richten. Vorgaben sollten auf ein Minimum beschränkt werden. Auf diese Weise soll den Jugendlichen Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten vermittelt werden.

Die Konzeption einer einjährigen Ausbildung generale sollte drei Aspekte berücksichtigen: (1) Praktische Phasen, um verschiedene Berufe in der Praxis auszuprobieren; (2) begleitender Berufsschulunterricht und (3) die Möglichkeit für Freidenkerphasen. Insbesondere die ersten beiden Aspekte sollen den Teilnehmer_innen ein reelles, vollständiges Bild darüber vermitteln, was die Ausbildungswege alles umfassen. Das Jahr sollte zeitlich kompatibel mit dem regulären Ausbildungsjahr sein.

Die nachfolgenden Punkte präzisieren die genannten Aspekte.

  • Für die Koordination, Organisation und insbesondere die Betreuung der Teilnehmer_innen ist eine hauptverantwortliche, zuständige Stelle einzurichten. Diese Stelle wäre auch für die Suche nach Betrieben und Bildungsträgern zuständig, welche die Gestaltung der Ausbildung generale unterstützen. Sie sollte möglichst auf Länderebene angesiedelt sein. Denkbar als Träger wäre z.B. ein Zusammenschluss der Berufsschulen eines Bundeslandes.
  • Entscheidend während der Ausbildung generale wird die kompetente und qualifizierte Beratung der Teilnehmer_innen sein. Sinnvoll für die Begleitung erscheint ein_e persönliche_r Ansprechpartner_in je Teilnehmer_in während des Jahres. Diese_r sollte im gegenseitigen Einverständnis frei wählbar sein.
  • Für die Ausbildung generale sind Mindeststandards zu definieren, u.a. sollten die teilnehmenden Betriebe Ausbildungsbetriebe sein. Außerdem ist eine Mindestanzahl von zwei bis drei praktischen Phasen während des Jahres, sowie der an der Berufsschule zu absolvierende Stundenumfang und seine inhaltliche Ausgestaltung festzulegen. Weiterhin besteht Regelungsbedarf hinsichtlich möglicher Auslandsaufenthalte während des Jahres.
  • Neben verpflichtenden Bereichen an der Berufsschule sollte den Teilnehmer_innen auch ein frei wählbares Kursangebot zur Verfügung stehen. Dieses kann Bewerbungstrainings, Kurse zum Zeitmanagement oder Soft Skill Kurse umfassen. Im Sinne des Studium generale sollten aber auch Zeitkontingente vorhanden sein, welche für den Besuch von Kursen rein nach Interessenlage aus dem Angebot der Berufsschulen genutzt werden können.
  • Die Gestaltung möglicher Freiphasen zum Anstellen eigener Überlegungen zum zukünftigen Berufsweg durch die Teilnehmer_innen ist zu klären. Vorstellbar sind hier u.a. die Teilnahme an externen Seminaren oder Freiraum für die eigenständige Recherche zu Berufsfeldern. Sie sollten durch Einbindung von Feedbackgesprächen mit der/dem Betreuer_in unterstützt werden.
  • Breit gefächerte Einblicke in verschiedene Berufsrichtungen könnten im Rahmen einer Ausbildung generale Berufsbildende Schulen (Oberstufenzentren, Fachoberschulen, Berufsoberschulen) bzw. regionale Zusammenschlüsse dieser ermöglichen. In diesem Zusammenhang wäre die Einrichtung spezieller Klassen an den Berufsbildenden Schulen, die als angeleitete Gruppe die Ausbildung generale durchlaufen, vorstellbar. Große Betriebe, die in verschiedenen Berufen ausbilden, könnten ein Rotationsverfahren aus kurzen praktischen Phasen im eigenen Haus anbieten.
  • Soweit möglich sollten Aspekte aus der Ausbildung generale für die Berufsausbildung angerechnet werden, z.B. durch Wegfall der Probezeit oder als Verkürzungsmöglichkeit der eigentlichen Ausbildung. Darüber hinaus sollte den Teilnehmer_innen nach Abschluss des Orientierungsjahres eine Bescheinigung ausgestellt werden, welche die erworbenen Fähigkeiten und besuchten Kurse aufführt. Diese könnte später das Abschlusszeugnis der Berufsausbildung ergänzen.
  • Den Teilnehmer_innen sollte über geeignete Maßnahmen finanzielle Unterstützung für ihre Lebenshaltungskosten gewährt werden.

Einbindung der Betriebe

Eine Beteiligung der Betriebe an der Umsetzung der Ausbildung generale wird durch die Möglichkeit auf diesem Weg Auszubildende für den eigenen Betrieb zu gewinnen, interessant. Indem die berufliche Ausbildung als attraktiver Bildungsweg dargestellt wird, kann dem Fachkräftemangel und der Akademisierungstendenz entgegen gewirkt werden. Zusätzlich würde durch die Ausbildung generale der oft beklagten, mangelnden Ausbildungsreife der jungen Menschen entgegen gewirkt. Die Teilnehmer_innen wären nach dem Orientierungsjahr wesentlich besser für die eigentliche Ausbildung gerüstet und breiter gebildet. Eine finanzielle Unterstützung der dauerhaft an der Umsetzung der Ausbildung generale beteiligten Betriebe, Bildungsträger und Berufsbildenden Schulen sollte von staatlicher Seite gewährleistet werden. Damit soll dem Mehraufwand bei der Betreuung ungelernter Arbeiter_innen Rechnung getragen werden.

Mögliche Partner einer Ausbildung generale

Verschiedene Einrichtungen und Institutionen könnten an der Beratung beteiligt werden. Unterschiedliche Strategien zur Berufsorientierung, wie Informationstage, Vorstellungen von Berufsfeldern, der Besuch von Unternehmen, Potentialanalysen, Nutzung von Onlineportalen, Unterstützung bei der eigenständigen Recherche der Teilnehmer_innen und Maßnahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung zwischen Bund, Wirtschaft, Gewerkschaften und Ländern, welche den Ende 2014 ausgelaufenen Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs ablöst, sollten in die Ausbildung generale integriert werden. Die Einbindung der Angebote der Bundesagentur für Arbeit, wie die persönliche Beratung, Elternabende, vertiefte Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung und die Berufseinstiegsbegleitung, erscheint ebenfalls sinnvoll. Unterstützung kann außerdem durch die Einbindung von Trägern und Programmen im Bereich der Berufsvorbereitung und -orientierung, wie dem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB), dem Berufswahlpass NRW, dem FSJ focus der Diakonie Württemberg, der Aktivierungshilfe des Bildungswerks der Niedersächsischen Wirtschaft gGmbH (BNW), der Berufshilfe der Werk-statt-Schule e.V., der Initiative Bildungsketten und EnterTechnik, erfolgen. Die Einbindung der Industrie- und Handelskammern erscheint ebenfalls sinnvoll. Beratende Funktionen könnten auch Berufsschullehrer_innen oder Mitarbeiter_innen der beteiligten Betriebe wahrnehmen.

Die Akteure im Bereich der beruflichen Bildung, wie Berufsschulen, Ausbildungsbetriebe, OSZs, Jobcenter, Träger von Berufsvorbereitungsangeboten und Gewerkschaften, sind gefordert die hier vorgestellte Idee einer Ausbildung generale weiterzuentwickeln und umzusetzen. Von Seiten der Politik sind die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen und die finanziellen Mittel bereit zu stellen. Die Bildungsinitiative „Was bildet ihr uns ein? e.V.“ könnte die Ausbildung generale durch das Nachzeichnen von Lebenswegen und Bildungsbiografien in Form von Infoabenden und Booklets unterstützen. Darin sehen wir einen sinnvollen Weg der Beratung, welcher gleichzeitig die Perspektiven für die Teilnehmer_innen weitet.

Handlungs- und Entscheidungskompetenz junger Menschen fördern!

Durch eine Ausbildung generale soll jungen Menschen geholfen werden Entscheidungen über den eigenen Entwicklungsweg nachhaltig zu treffen. Dies ist eine entscheidende Grundlage der persönlichen Motivation während der Ausbildung. Der Erwerb von Selbst-, Sozial- und Handlungskompetenz während der Ausbildung generale wird sich darüber hinaus für das Bestehen in der heutigen Arbeitswelt und das lebenslange Lernen auch langfristig positiv auswirken. Dahinter muss auch das heutige Effizienzdenken im Bildungssystem, möglichst schnell und jung für den Arbeitsmarkt bereit zu stehen, zurücktreten.

 

Quellen:

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.): Bildung in Deutschland 2010. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Perspektiven des Bildungswesens im demografischen Wandel, W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2010.

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.): Bildung in Deutschland 2014. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zur Bildung von Menschen mit Behinderungen, W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2014.

Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat für Grundsatzfragen beruflichen Aus- und Weiterbildung (Hrsg.): Berufsbildungsbericht 2013.

Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland: Studie: Schule, und dann? Herausforderungen bei der Berufsorientierung von Schülern in Deutschland, 2014.

Stemmer, Philipp im Auftrag des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB): Freiwilligendienste in Deutschland. Eine Expertise zur aktuellen Landschaft der Inlands- und Auslandsfreiwilligendienste in Deutschland, 2009.

T-online.de, dpa: Schüler wollen länger lernen statt in den Beruf zu starten, Url: <http://www.t-online.de/eltern/jugendliche/id_62654158/berufswahl-vertagt-europas-schueler-wollen-laenger-lernen.html>, 21.03.2013.

 

 

Impressum

Herausgeber: Was bildet ihr uns ein? e.V.

Verfasserin: Wera Pustlauk

Berlin, April 2015

KONTAKT und Feedback

Wera Pustlauk

pustlauk@wasbildetihrunsein.de

 

Zusammenfassung 

Unkenntnis über die Möglichkeiten, fehlende Einblicke in die Berufswelt, Verhaftung in traditionellen Berufsbildern der Eltern und hoher Entscheidungsdruck am Ende der Schulzeit verhindern, dass junge Menschen nachhaltige Entscheidungen über ihren eigenen Berufsweg treffen. Studierende können sich durch das Studium generale ausprobieren und verhältnismäßig einfach die Fachrichtung wechseln, bevor sie sich final für ein Fach entscheiden. Dagegen muss in der beruflichen Bildung, durch die Kopplung an einen Betrieb, die Wahl für einen Beruf von der/dem angehenden Auszubildenden schon vor Beginn der Ausbildung getroffen werden. Hier besteht ein klarer Bedarf an einer Orientierungsphase für jene, die eine Berufsausbildung anstreben. Die Bildungsinitiative „Was bildet ihr uns ein? e.V.“ stellt mit diesem Papier die Idee einer Ausbildung generale vor. Sie soll jungen Menschen, insbesondere jenen, die kein Abitur ablegen, die Möglichkeit eröffnen, verschiedene Ausbildungsberufe auszuprobieren, bevor die Entscheidung für den zukünftigen Berufsweg getroffen wird. Dafür sollen innerhalb eines Jahres praktische Phasen, zum Ausprobieren verschiedener Berufe, begleitender Berufsschulunterricht und Freidenkerphasen ermöglicht werden. Parallel sollen die jungen Menschen durch ein enges, persönliches Beratungsangebot unterstützt werden.

Die Ausbildung generale würde den jungen Menschen Orientierungswissen vermitteln, das ihnen in der heutigen Arbeitswelt langfristig von Nutzen sein kann. Fundierte Entscheidungsfindung vor Beginn der Ausbildung kann darüber hinaus helfen Ausbildungsabbrüche zu reduzieren und eine langfristige Bindung an den gewählten Beruf zu erreichen. Dies macht eine Beteiligung von Ausbildungsbetrieben an der Gestaltung der Ausbildung generale attraktiv. Gleichzeitig bietet sich für sie die Gelegenheit zukünftige Auszubildende kennenzulernen.

Dieses Papier entwickelt ein erstes Konzept einer Ausbildung generale und möchte die Akteure im Bereich der beruflichen Bildung, Gewerkschaften und die Politik auffordern, die hier vorgestellte Idee weiterzuentwickeln und umzusetzen.

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