Schule statt Bildung – Meldung aus der letzten Reihe

Meldung aus der letzten Reihe: Simon hat aufgeschrieben, was in der Schule aus seiner Perspektive schief läuft. Foto: Buchcover

Simon Clemens war 13 Jahre lang Schüler. Wie viele anderen auch hat ihn die Schule mehr gelangweilt als begeistert. Seine Erfahrungen hat er in „13 Jahre Schule statt Bildung – Meldung aus der letzten Reihe“ aufgeschrieben. Dort beschreibt er aus der Perspektive eines Bildungsbetroffenen, wie er Schule wahrgenommen hat. Hier fordert Simon, dass Schule mehr sein sollte als eine Betreuungsmaßnahme mit Pausen.

Der Schulalltag vieler Schülerinnen und Schüler ist langweilig und nicht gerade lerngerecht. Das wussten die meisten von uns, als sie selber zur Schule gingen, aber dann sind sie blöderweise erwachsen geworden. Um daran zu erinnern, was es bedeutet, in einem Klassenraum zu sitzen, habe ich während der Oberstufe angefangen aufzuschreiben, warum mein Schulalltag eher Müdigkeit statt Lernfreude hervorgerufen hat. Daraus ist das Buch „13 Jahre Schule statt Bildung“ entstanden, mit dem ich dazu einladen möchte, die Schule wieder aus der Perspektive der Betroffenen zu betrachten.

Das Buch geht von folgendem Gedanken aus: Eine Institution, die sich als Ort des Lernens versteht, muss sich letztlich an der Lernbereitschaft ihrer Mitglieder messen lassen. Man sollte meinen, dass dies einen dankbaren Maßstab für jede Bildungseinrichtung darstellt – ist Lernen doch ursprünglich eine freudvolle und wunderbare Beschäftigung! Daher ist es umso beachtlicher, dass die Schule das Image des Lernens strukturell verhunzt, indem sie Verdruss und Langeweile unterrichtet: In 13 Jahren lernt man als Schüler vor allem, dass Lernen das Gegenteil von Freizeit bedeutet. Während es in der ersten Klasse noch cool war Lesen, Schreiben und Rechnen zu können, muss man sich schon bald davor hüten von Mathe oder Deutsch zu schwärmen, wenn man auf dem Schulhof nicht den Eindruck einer geistigen Entgleisung wecken möchte. Am Ende des Schulabschlusses gipfelt der angestaute Lernfrust dann in einer der größten Partys des bisherigen Lebens, weil die nervige „Büffelei“ ein vorübergehendes Ende gefunden hat.

Keine Betreuungsmaßnahme mit Pausen

Der Grund dieser wachsenden Lernphobie scheint letztlich ganz simpel: Die Lehrerinnen und Lehrer müssen Inhalte unterrichten, auf die ich als Schüler keinen Einfluss habe. So entsteht ein Kreislauf der gegenseitigen Vorwürfe: Ich bin unzufrieden, weil ich nicht vernünftig lernen kann, wenn man im Stundentakt mit unbeeinflussbaren Inhalten konfrontiert wird und die Lehrenden leiden darunter, dass sie von uns keine Aufmerksamkeit für das mühsame Aufbereiten eines Lehrplans erfahren.

Nachdem Simon Clemens während der Mittelstufe viel Unzufriedenheit und Verzweiflung in seinem eigenen Schulalltag erfahren hatte, begann er ab der elften Klasse dieses Buch zu schreiben. 2015 hat er Abitur gemacht und studiert seitdem Philosophie-Neurowissenschafte-Kognition in Magdeburg.

Um die weitreichenden Folgen dieses Konflikts zu umgehen, braucht es ein Lernverständnis, das sich nicht mehr in krummen Konzepten von „Allgemeinwissen“ oder „Pflichterfüllung“ verirrt, sondern Eigenverantwortung und persönliche Betroffenheit fordert. Statt Angst vor schlechten Noten könnte Vertrauen in die Entwicklung der eigenen Fähigkeiten entstehen. Wie gerne wäre ich in die Schule gegangen, wenn sie mich darin unterstützt hätte meine eigenen Fragen zu beantworten. So wie ich Schule wahrgenommen habe, ist das dort vermittelte Wissen nicht auf meine Lebensrealität eingegangen und somit an meinen Interessen vorbeigegangen. Anstelle einer Betreuungsmaßnahme mit Pausen könnte ein Ort der intelligenten Organisation von Interessen entstehen. Damit wäre allen Schülerinnen und Schülern geholfen, die Bildung als das Abarbeiten von Arbeitsaufträgen erleben müssen.

Mit meinem Buch möchte ich die Diskussion um die Gestaltung von Bildung neu entfachen und um die Perspektive ergänzen, die in dieser Diskussion oft untergeht: die der Schülerinnen und Schüler.