AUGENHÖHE macht Schule

Zeigen Pioniere, die neue Wege beschreiten: die Augenhöhe community

Gerade hat das Projekt AUGENHÖHEmachtSchule sein Fundingziel erreicht. Damit ist der Weg frei für den dritten AUGENHÖHE Film. Das Ziel dieser Initiative ist es, Pioniere zu zeigen, die neue Wege beschreiten und sie möchten mit ihren Filmen zum Dialog inspirieren und Mut machen, eigene Schritte zu wagen. Genauer erklärt das in diesem Gastbeitrag Michael Groß vom Projektteam AUGENHÖHEmachtSchule.

Die Idee hinter AUGENHÖHE ist einfach: Wir wollen Menschen ermutigen, gesellschaftliche Veränderungen selbst mitzugestalten. In zwei Filmen über Veränderungen in der Arbeitswelt durften wir ungewöhnlichen Menschen und Organisationen eine Bühne bieten, die auf unterschiedlichste Weise spannende Impulse gesetzt haben, wie Zusammenarbeit auf Augenhöhe aussehen kann.

Die Zeiten, in denen Arbeit für die Meisten bedeutete, in einer Fabrik immer wieder einige fremdbestimmte Abläufe zu wiederholen, sind – das wissen alle – längst vorbei. Vollständig angekommen ist das aber noch nicht überall, zum Beispiel in der Kultur vieler Organisationen und besonders der Institutionen, die der Arbeit einen Rahmen geben: also des Bildungssystems, der Parteien, Gewerkschaften, sozialen Sicherungssystemen und des Rechts. Sie hinken alle etwas hinterher und sind für die Veränderungen, die unsere Gesellschaft allein in den vergangenen drei Jahrzehnten durchgemacht hat, an vielen Stellen blind. Sie kommen trotz vieler Reformen nicht hinterher damit, neue Schubladen, Vergleichsmaßstäbe und Kontrollverfahren zu erfinden. „Mehr vom Gleichen und ein bisschen schneller, bitte!“ Alles Reproduzierbare und Routinemäßige wird aber in wachsendem Ausmaß von Maschinen und Algorithmen erledigt. Die Arbeit einer und eines Jeden wird immer weniger austauschbar und kontrollierbar. Gehorsam ist nicht mehr gefragt, Unterschiedlichkeit wird zur Stärke, es kommt auf Persönlichkeiten an. Bei unserer Arbeit in den unterschiedlichsten Organisationen erleben wir das Tag für Tag.

Wer wollen wir in Zukunft sein?“

Was sich hinter den Schlagworten „Digitalisierung“, „Wissensgesellschaft“ oder „neue Arbeit“ an Verunsicherungen und Hoffnungen verbirgt, geht zur Zeit an kaum einer Organisation spurlos vorbei. Es bedeutet für sie häufig konfliktreiche Auseinandersetzungen mit sich selbst. „Welche Rolle können wir in Zukunft spielen?“, „Können wir uns verändern, ohne unsere Identität zu verlieren?“, „Wer soll mitgestalten?“ Diese Fragen beschäftigen viele Menschen und führen immer häufiger dazu, dass selbstverständlich gewordene Strukturen hinterfragt und Experimente gemacht werden. „Wie wollen wir zusammenarbeiten?“, „Wer wollen wir in Zukunft sein?“

Mit unserem Film & Dialog Konzept wollen wir solche Diskussionen und Auseinandersetzungen anregen und konkrete Veränderungsschritte erleichtern. Dabei spielt die AUGENHÖHE Community eine große Rolle. Sie finanziert den Film im Vorfeld per Crowdfunding und liefert Vorschläge, welche Organisationen, Unternehmen oder Schulen so spannend sind, dass sich ein filmischer Blick darauf lohnt. Wir ziehen dann los und halten mit der Kamera fest, was diese Orte so inspirierend macht. Was treibt die Menschen dort an? Wie geht man dort mit den üblichen Einschränkungen um? Was wird anders gemacht? Was für eine Kultur herrscht dort, wie werden die Beziehungen und der Alltag gestaltet? Am Ende kommt ein Film heraus, der mit großem Facettenreichtum zeigt, was unter verschiedenen Bedingungen alles funktionieren kann und dass es sich lohnt zu experimentieren. Filme haben eine starke emotionale Wirkung und sprechen eine überzeugende Sprache auf vielen Ebenen. Dank unserer UnterstützerInnen kann der Film kostenlos heruntergeladen werden und eine umso größere Wirkung entfalten, je mehr Menschen ihn zum Anlass nehmen über die Frage zu diskutieren: „Wer wollen wir in Zukunft sein?“

Schule auf Augenhöhe ändern

Dass wir nun ein Film & Dialog Projekt über sehenswerte Pioniere im Bildungssystem verwirklichen wollen, hat verschiedene Gründe. Am nächsten liegt natürlich unsere große Hoffnung, dass die Zukunft der Arbeit immer mehr von Selbstbestimmung, Verantwortungsbewusstsein und Augenhöhe geprägt sein wird, wobei die Bildung der nächsten Generationen eine sehr große Rolle spielt. Unabhängig davon sind aber die oben beschriebenen Veränderungen längst im Gang und stellen große Herausforderungen. Das ist ein weiterer Aspekt der Filme. Wie kann man mit Rollenkonflikten, Machtverlust oder Überforderung umgehen und im laufenden Betrieb die Form wechseln? Wie mit schweren Auseinandersetzungen fertig werden, dass am Ende niemand zu kurz kommt? Eine selbstbestimmte Arbeitsweise setzt viele Fähigkeiten voraus, die in Ausbildung und Beruf herkömmlicherweise wenig relevant sind. Was weiß jemand über die eigenen Fähigkeiten und Talente, über sich selbst? Kann er oder sie sich organisieren, reflektieren und konstruktiv mit Fehlern umgehen? Emotionale Intelligenz und kommunikative Fähigkeiten sind ebenso nützlich wie Allgemeinbildung, Fachwissen und Knowhow. Wie kann jemand mit unbekannten Situationen umgehen oder sich gegen Unrecht zur Wehr setzen? Es sind keine Soft Skills, sondern grundlegende Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben, Werkzeuge für die eigene Emanzipation.

Schulen und andere Bildungseinrichtungen, die ein Miteinander auf Augenhöhe vermitteln, die Lehre nah an der Lebensrealität gestalten und (Eigen-)Verantwortung, Selbstkenntnis und individuelle Fähigkeiten stärken, dienen in erster Linie den Schülerinnen und Schülern. Die Verantwortung dafür, wie sie die erlebte Kultur später in die Gesellschaft tragen, können wir dann getrost ihnen überlassen, denn sie werden gelernt haben, etwas Sinnvolles aus ihrer Zeit zu machen, ohne dass jemand sie kontrolliert. Deshalb ist unsere Hauptmotivation, den Pionieren des Bildungssystems und ihren guten Ideen zu Geltung zu verhelfen, damit sie an vielen Orten diskutiert werden und Andere sich sie zu eigen machen.