Politische Spiele: Politik Spielerisch Lernen

Politische Begriffe sind mehr als trockende Geschichte. Sie machen die Grundlage unseres Zusammenlebens aus. Foto: Foto: Bill Lile/Flickr

Politische Ideengeschichte – wohl kaum eine*r denkt dabei an Spiel und Spaß. Frederic Lenz hingegen ist überzeugt, dass Politik Lernen auch aktiv, abwechslungsreich und lebensnah sein kann. Er denkt sich Spiele aus, in denen Kinder und Jugendliche die Grundbegriffe des demokratischen Zusammenlebens übend erfahren können. In einem Gespräch mit Was bildet ihr uns ein? stellt er die Idee vor.

Wbiue: Politik und Spiele – klingt erst mal, als würde das schwer zusammengehen. Wie ist es dazu gekommen, dass du dir Politische Spiele ausgedacht hast?

Frederic: Drauf gebracht hat mich letztlich der Hinweis einer Freundin. Die längste Zeit war das ein Schreibtisch-Projekt, mehr Hirngespinst als Lernmöglichkeit. Das war nach meinem Studium in Soziologie und Politikwissenschaften, sowie einigen Erfahrungen in Erlebnispädagogik und politischer Bildung. Ich hatte den Plan gefasst, die Ideengeschichte in Spiele zu packen, oder genauer: in Skripte, Spielanleitungen. Von A wie arete bis Z wie zoon! Zum Glück meinte diese Freundin: Probiers doch erst mal aus. Seitdem probieren wir!

Was ist denn die Idee dahinter?

Kurz gesagt, im Geschichts- oder Politikunterricht drei Dinge miteinander zu verbinden: Fühlen, Wollen und Verstehen. Es ist nämlich eine Sache, über Amts- oder Rollenträger*innen zu sprechen; in ihrer Haut stecken ist eine andere. Nur, wenn man das mal erlebt und gemacht hat, kann man auch fruchtbar darüber nachdenken. Machen und erleben alleine reicht aber nicht: Das muss auch in Begriffen und Geschichten nachvollzogen werden. Und da hat die Ideengeschichte viel zu bieten!

Kannst du ein Beispiel geben?

Nimm zum Beispiel die Idee vom Gesellschaftsvertrag, eine der Grundlagen moderner Demokratien. Da geht es im Grunde darum, dass Vereinzelte sich zusammentun, indem sie eine gemeinsame Regierung einsetzen, um unter ihr ein bequemeres Leben zu führen. Als Einstieg ins Thema lasse ich die Kinder sich die Augen verbinden und dann mit ausgestreckten Armen im Raum herumgehen, ohne dass sie mit etwas in Kontakt bleiben dürfen. Nach zwei Minuten gebe ich das Kommando, dass sie, wenn sie zufällig aneinander stoßen, sich bei der Hand nehmen sollen, solange, bis jeder „eingesammelt“ ist und sie im Kreis stehen. Dann erst dürfen sie die Binden abnehmen. – Solche Spielchen, und der Gesellschaftsvertrag, die sind im Prinzip nichts neues. Die Spielanleitungen von der Ideengeschichte her zu denken, und das Spielgeschehen durch sie zu beleuchten, das glaube ich schon.

Frederic Lenz lebt und arbeitet in Berlin. Außerdem macht er seinen Master an der Humboldt-Universität und forscht über Wege, wie Forschung und Lehre an der Hochschule mit den Fähigkeiten und Bedürfnissen einer diversen Studierenschaft verzahnt werden können. 

Was erhoffst du dir davon?

Ideal wäre natürlich, wenn die Kinder bewusster und interessierter für das würden, was um sie herum geschieht. Unser Alltag ist voll von allerlei Beziehungen, seien das nun freundschaftliche, familiäre und religiöse oder rechtliche, pädagogische und wirtschaftliche. Und sie alle sind auch politisch relevant und im Verlauf der Geschichte in ihrem Verhältnis zum Politischen diskutiert worden. Ich glaube, Politische Spiele können dabei helfen, solche Konstellationen erkennen zu lernen und damit verbundene Widersprüche zu ertragen – und mit ihnen vielleicht auch konstruktiver und selbstbestimmter umzugehen.

Gibt es schon Ideen, wie es weiter geht?

Momentan arbeite ich mit einer engagierten Lehrerin in Berlin-Tiergarten zusammen, in einer Grundschule in meiner Nachbarschaft, ganz informell. Wir überlegen uns Lerneinheiten für ihre 6. Klasse, momentan zu den alten Griechen. Das ist eine wirklich lehrreiche Arbeit! Zum Beispiel habe ich gemerkt, dass viele Spiele aus der klassischen Erlebnispädagogik eine bestimmte Einstellung und Bereitschaft voraussetzen, die gar nicht selbstverständlich ist. Wie viel Nähe oder Distanz zum Beispiel als angenehm empfunden wird, das kann sich je nach Alter, Geschlecht und/oder Herkunft schon sehr unterscheiden. Als nächstes möchte ich daher ausprobieren, wie man mithilfe von Spielen auch Aspekte interkulturellen Lernens in den Geschichts- oder Politikunterricht integrieren kann. Und natürlich bin ich gespannt, auch politische Bildner*innen von außerhalb der Schule kennen zu lernen. Vielleicht fühlt eine oder einer, die das hier lesen, sich ja angesprochen!

  • Wollt ihr mehr über das Konzept erfahren oder euch mit Frederic austauschen? Gerne könnt ihr uns dafür unter blog@wasbildetihrunsein.de schreiben und wir leiten die Nachricht weiter.