Internationale Bildung kann man studieren

Die Studierenden des INEMA-Studienganges an der PH-Ludwigsburg. (c) PH Ludwigsburg

Bildungssysteme auf der ganzen Welt sind sehr unterschiedlich. Auf Reflexion über das eigene Bildungssystem, eine Professionalisierung des Bildungsmanagements und interkulturellen Austausch setzt der Studiengang International Education Management (INEMA) an der PH Ludwigsburg und der ägyptischen Helwan Universität.

Auf der ganzen Welt sind Bildungssektoren oft von einer gewissen Starrheit geprägt. Gemeinsam Bewegung in die Bildungslandschaften zu bringen und am Unterschied zu lernen, ist das erklärte Ziel von INEMA. INEMA steht für International Education Management und ist ein englischsprachiger, internationaler Masterstudiengang der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, welcher in Partnerschaft mit der Helwan Universität in Kairo angeboten wird.

Er richtet sich an Bildungs- und Reformmanager_innen, die in ihren Ländern Verantwortung für Lernprozesse in Bildungseinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen, Ministerien, Handelskammern oder privatwirtschaftlichen Unternehmen tragen oder tragen wollen sowie Menschen, die in der Entwicklungszusammenarbeit den Aufbau von Bildungssystemen unterstützen (wollen). Das berufsbegleitende Arrangement als Blended-Learning-Studiengang erlaubt es den Studierenden weiterhin ihrer Beschäftigung nachzugehen und somit Erlerntes unmittelbar in ihren Aufgabenbereich einzubringen.

Die Teilnehmenden kommen aus 15 Ländern

Die Teilnehmenden aus derzeit 15 Nationen nehmen an diversen Online- und sechs Präsenzphasen teil, welche abwechselnd in Ludwigsburg und in Kairo angeboten werden. Während der Präsenzphasen steht der interkulturelle Austausch im Vordergrund. Planspiele wie das von selbstentwickelte Planspiel „Prozessoptimierung in Bildungseinrichtungen am Beispiel des Anmeldeprozesses zu einem Bildungskongress“, Rollenspiele, professionelles Coaching, Gruppendiskussionen, Besichtigungen von Bildungseinrichtungen und Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit wie der SEKEM Initiative, des GIZ, der VHS Stuttgart oder der Abteilung für Führungskräfteentwicklung der Daimler AG bieten zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch.

 Marvin Roller (geb. 1988) studierte Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, entwickelte im Laufe des Studiums und der damit verbundenen Tätigkeiten seinen Schwerpunkt im Bereich eLearning und Blended-Learning in interkulturellen Kontexten und ist 2016 selbst als akademischer Mitarbeiter des INEMA Projekts an der PH Ludwigsburg. 

Zwischen den Präsenzphasen erarbeiten die Teilnehmer_innen sich im Selbststudium, in Lerntandems und Gruppenarbeiten wichtige theoretische Grundlagen und praktische Kompetenzen. Durch die berufsbegleitende Struktur des Studiengangs können diese von den Studierenden danach auch direkt ihren Arbeitsplätzen z.B. in Schulen, beim DAAD in Bonn, im Ministerium in Palästina, in der NGO in Ägypten oder am Teacher Training College in Indonesien erprobt werden.

Darüber hinaus arbeiten die Studierenden während des Studiums an eigenständigen Projekten in ihren Institutionen und Herkunftsländern. Zu den durchgeführten Projekten gehörten beispielsweise Weiterbildungen für Lehrkräfte in zahlreichen Ländern, die Erweiterung eines bestehenden Projekts zur Unterstützung für Mädchen und Frauen in Krisenregionen auf den Libanon, ein internationales Kolloquium für Deutschstudierende oder eine Jobmesse für Arbeitssuchende.

Nicht zuletzt setzen sich die Studierenden in ihren Masterarbeiten ebenfalls häufig mit internationalen Bildungs- und Entwicklungsthemen wie der Integration von Flüchtlingen, der Verbesserung von Bildungschancen für Frauen und dem Aufbau und der Verbesserung von beruflichen Bildungssystemen in verschiedenen Ländern auseinander.

Bildung weltweit voranbringen

Auch nach dem INEMA Studium setzen die Alumni ihr Bemühen, Bildung weltweit ein wenig voranzubringen, fort. So hat beispielsweise Yasmin Helal als CEO mit ihrer Educate Me Foundation bereits über 800 bedürftigen Kinder in Ägypten unterstützen können und Yasmin Youssef hat inzwischen ihr erstes Buch „Exploring K-12 Blended Learning Models to Reform Education in Egypt“ veröffentlicht und präsentierte letztes Jahr ihre Ergebnisse ihrer Arbeit auf der Innovation Arabia 9-SMART Learning Excellence Conference Dubai.

 

Der interkulturelle Austausch beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Studierenden, auch die Dozierenden aus Ludwigsburg und Helwan befinden sich in ständigem Austausch. Sie entwickeln und geben im Tandem gemeinsam und in gleichberechtigter Weise Lehrveranstaltungen und veranstalten interne Workshops, in denen Prinzipien partnerschaftlicher Lehr-Lernarrangements, Aktivierungsmethoden, Präsentations- und Visualisierungstechniken, Methoden der Vernetzung von Gruppen- und Plenararbeit etc. und ihre Anpassung für das multikulturelle, internationale Setting des Studiengangs im Vordergrund stehen.

Unterstützt wird der Studiengang unter anderem durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst sowie die Al Alfi Stiftung. Auch das BMZ hat den Studiengang unterstützt. Dadurch ist es möglich, eine begrenzte Anzahl an Stipendienplätzen für besonders vielversprechende Studierende zu vergeben. So wird dazu beigetragen, dass motivierte, talentierte Menschen unabhängig von ihren finanziellen Rahmenbedingungen studieren können.

Eine Einschreibung ist jährlich bis zum 31. Mai möglich. Weitere Informationen sind verfügbar unter http://www.inema.ph-ludwigsburg.de/ .