Hochschulzugang für Geflüchtete

Geflüchtete willkommen: Hochschulen sind Institutionen der Willkommenskultur Foto: Metropolico.org/Flickr

Die Situation von Geflüchteten an den EU-Außengrenzen ist weiterhin katastrophal. In Deutschland jedoch normalisiert sich ihr Leben langsam. Unter den Geflüchteten sind auch viele junge Menschen, die studieren wollen. Wie stellen sich deutsche Hochschulen auf diese neue Zielgruppe ein? Unser Autor Lukas Daubner berichtet über die momentane Situation.

Groß war das Engagement zur Hilfe von Geflüchteten auch an deutschen Hochschulen. In kürzester Zeit wurden 2015 Deutschkurse, Buddyprogramme oder Rechtsberatungen angeboten. Auch nach zwei Jahren sind viele Hochschulen noch verlässliche Institutionen der Willkommenskultur. Dass dieses Engagement nicht nur ein Strohfeuer, sondern ernst gemeint und nachhaltig ist, macht Professorin Julia von Blumenthal von der Humboldt Universität Berlin deutlich. Sie ist Mitautorin einer Studie des Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM), die untersucht hat, wie Hochschulen sich an die Situation angepasst haben.

Dass es viele der Hochschulen ernst meinen, mit dem Engagement für geflüchtete Studierende zeigt sich auch daran, dass sie Mittel aus ihren eigenen, meist knappen Etats, verwenden. Die Hälfte der in der Studie befragen Hochschulen haben außerdem eine längerfristig angelegte Koordinationsstelle eingerichtet. Kurzfristig und unkompliziert ist auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) eingesprungen. Er ist wichtigster Akteur bei der Finanzierung der vielfältigen Maßnahmen. Die Programme Integra und Welcome beispielsweise unterstützen sowohl studentisches Engagement, als auch die betroffenen Studierenden, möglichst schnell in ein richtiges Studium einzusteigen.

Viele Probleme treffen auf viele Lösungen

Schon für deutsche Studierende ist es schwierig, im Hochschulsystem zurecht zu kommen. Das gilt für geflüchtete Studierende erst recht. Daher werden neben Sprachkursen viele studienvorbereitende Programme, die oft fachübergreifend sind, angeboten. Die Studierenden sollen sich schnell orientieren und auf ein Studium in Deutschland vorbereitet werden. Dies kann ihnen Stück Freiheit und Selbstbestimmung zurückgeben. Damit das klappt, helfen Kontakte zu deutschen Studierenden und ein umfassendes Beratungsangebot.

Für die Beratung können Hochschulen auf ihre Erfahrungen mit ausländischen Studierenden zurückgreifen. Diese Art des Umgangs ist hilfreich, um Geflüchtete nicht nur auf ihre Fluchterfahrung zu reduzieren. Allerdings besteht, etwa aufgrund von Traumata oder Unkenntnis des deutschen Hochschulsystems, ein erhöhter Beratungsbedarf. Oft hat sich die Zusammenarbeit mit anderen, nicht-akademischen Beratungsstellen, als hilfreich erwiesen. Denn bei allem Engagement sind die Möglichkeiten der hochschulischen Beratung begrenzt.

Nicht immer ganz einfach ist der Nachweis der Hochschulzugangsberechtigung. Teilweise sind Unterlagen durch Krieg und Flucht zerstört worden oder Niveaus und Bildungssysteme zu unterschiedlich. Die BIM-Studie zeigt, dass viele Hochschulen eigene Aufnahmeprüfungen oder ein Vorbereitungsstudium durchführen. Dagegen haben sich kaum fachspezifische Studierfähigkeitstests etabliert.

Es bleiben viele Hürden bis zum Hochschulzugang

Ein großes Problem für Studierenden, die aus ihren Heimatländern geflüchtet sind, ist ihr oft unklarer Aufenthaltsstatus. Die Asylverfahren dauern lange, und vielfach ist deshalb über einen langen Zeitraum unklar, ob die Betroffenen in Deutschland bleiben dürfen. Rein rechtlich bedarf es für die Aufnahme eines Studiums keines bestimmten Aufenthaltsstatus. Die Studie des BIM zeigt auch, dass die Mehrzahl der Universitäten diesen nicht abfragt. Die befragten Fachhochschulen dagegen tun dies etwa zur Hälfte.

Neben den unterschiedlichen rechtlichen, sprachlichen und psychischen Problemen gibt es eine weitere Herausforderung: Haben die Studierenden einen Platz in einem Vorbereitungs- oder Sprachkurs oder gar die Zulassung zu einem regulären Studium ergattert, stellen sich zum Teil die Sozialämter quer. Mal werden die Fahrtkosten für die Fahrt von der Unterkunft zur Hochschule nicht übernommen. Mal wird der Umzug zum Studienort nicht genehmigt. Dies kann das Aus für das Studium bedeuten.

Manchmal setzten sich die Hochschulen direkt mit den Ämtern in Kontakt und versuchen zu vermitteln. Das teilweise unflexible Verhalten mancher Amtsvertreter_innen erschwert den Zugang von Geflüchteten zum Studium noch zusätzlich. Und die Hochschulen können auch nicht in jedem Fall als Vermittler einspringen.

Ein Kampf gegen die Amtsmühlen

Die Großzahl studienwilligen Gefüchteten, die 2015 und 2016 nach Deutschland gekommen sind, werden erst in den nächsten Jahren an die Hochschulen kommen. Dort ist man insgesamt gut auf die neuen Studierenden eingestellt. Ein Studium wird also weniger an den Hochschulen scheitern, sondern vielmehr an anderen Einrichtungen wie den Sozialämtern oder dem Bundesministerium für Migration und Flucht. Die starren Regeln und kurzfristigen Denkweisen dort, bereiten momentan die meisten Probleme wenn es darum geht, geflüchteten Studierenden eine Möglichkeit an deutschen Hochschulen zu geben.

Weitere Infos

Informationen von der Hochschulrektorenkonferenz

Themenportal Flucht und Migration der Friedrich-Ebert-Stiftung

Das könnte dich auch interessieren