Durch das Projekt SchülerHaushalt Demokratie erleben

Schüler_innen können nicht mit Geld umgehen? Von wegen! Foto: KOMUNews/Flickr

Schülerhaushalte beteiligen Schüler_innen an der Entscheidung darüber, wie Geld an ihrer Schule ausgegeben wird. Wie funktioniert das und welche Wirkungen hat das auf die Schüler_innen? Unsere Autorin Simone Hermes hat es aufgeschrieben.

Das Projekt SchülerHaushalt ist ein demokratisches Beteiligungsverfahren, bei dem Schüler_innen über den Einsatz eines Budgets an ihrer Schule selbstbestimmt entscheiden. Demokratie wird dadurch konkret für sie erfahrbar statt bloß passiv im Unterricht gelernt.

Wie funktioniert das Projekt?

Ein vorher festgelegtes Budget wird der Schule von der Kommune, der Schule selbst oder Dritten bereitgestellt. Die Vorbereitung des Projektes übernehmen die Schüler_innen-Vertretung und betreuende Lehrkräfte. Es kommt zur Wahl eines Koordinationsteams, welches das Projekt an der Schule begleitet. Alle Schüler_innen können dann Vorschläge einreichen und diskutieren, wie das Geld an ihrer Schule eingesetzt werden soll. Es kommt zu einer Abstimmung und schließlich werden die Favoriten zusammen mit der Stadt- und/oder Schulverwaltung umgesetzt.

Wer hats erfunden?

Die Idee des SchülerHaushalts stammt aus Recife in Brasilien. Nach Deutschland kam es durch die Bertelsmann Stiftung. Diese mobilisierte für zwei Schulen 2012 ein Kapital von 7000 Euro. Seit 2015 betreut die Servicestelle Jugendbeteiligung (SJB) das Projekt.

Demokratie ganz konkret

Da alle Kinder und Jugendlichen einer Schule zum Entwickeln eines Projektvorschlags, zum Debattieren und zur Wahl aufgerufen sind, hat jede_e die Möglichkeit, sich einzubringen, und nicht ausschließlich die sowieso schon politisch Interessierten und Engagierten. Auch wenn diese natürlich bessere Startbedingungen mitbringen, können dennoch viele Kinder und Jugendliche Demokratie an einem konkreten Beispiel erleben.

Den Schüler_innen stehen darüber hinaus finanzielle Ressourcen zur Verfügung, mit denen sie ihre eigene Schule nach eigenem Ermessen sichtbar verändern können. Auf die direkte Beteiligung folgt somit auch eine direkte Wirkung. Das schaffen leider viele andere Projekte nicht.

Verantwortung übernehmen

Neben dem Verständnis für politische Prozesse wird auch die Selbstwirksamkeit der Kinder und Jugendlichen gefördert. Es gibt viel Evidenz dafür, dass junge Menschen, welche politisch eingebunden sind, sich später auch im Erwachsenenalter politisch engagieren[1]. Laut einer Evaluation der Hochschule Magdeburg-Stendal der beiden Pilotprojekte der Bertelsmann-Stiftung beteiligen sich die Schüler_innen sehr gerne und konstruktiv an dem Verfahren in ihrer Schule.

Natürlich braucht es engagierte Lehrkräfte und Schulleiter_innen, die das Projekt unterstützen. Denn auch wenn es wenig Zeit und Kapital in Anspruch nimmt, brauchen Schüler_innen innerhalb der Schule Raum, um über das Projekt, die Vorschläge und die Umsetzung zu sprechen.

Simone Hermes (geb. 1990) studierte Sonderpädagogik in Köln und Istanbul und nun im Master Bildungswissenschaften in Berlin und London. Seit ihrer Jugend engagiert sie sich für Menschenrechte und wünscht sich, dass junge Menschen in Bildungs-Institutionen mehr entscheiden dürfen.

Begrüßenswert wäre es, wenn der SchülerHaushalt einen Startpunkt für weitere demokratische Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Schulen darstellt. Dann hätten die Schüler_innen die Chance, sich mehr als nur einmal im Jahr an Entscheidungsprozessen in ihrer Schule aktiv zu beteiligen.

SchülerHaushalt an der eigenen Schule

Falls du das Projekt gut findest und es gerne an deine Schule holen möchtest, gibt es auf der Homepage www.schuelerhaushalt.de weitere Informationen und Materialien.

[1] Keating, Avril (2015) Learning by doing? The role of political learning activities in promoting youth political engagement.

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