Der Trump-Effekt

Hinweise an Trump? Foto: (c) Southern Poverty Law Center

Trumps Kandidatur und Wahlsieg hat eine Spaltung der US-amerikanischen Bevölkerung ausgelöst. Der neue Präsident hat nicht nur eine Einreisebeschränkung für Muslime erlassen, sondern denkt auch darüber nach, in großem Umfang Mexikaner_innen auszuweisen, die keinen legalen Aufenthaltsstatus vorweisen können. Wie sich diese politische Linie auf das Miteinander an den Schulen auswirkt, zeigt Anne Köster in diesem zweiteiligen Beitrag. 

Die ethnische Vielfalt der US-amerikanischen Bevölkerung ist seit Jahrzehnten auch in den Schulen sichtbar. Im Jahr 2014 wurde zum ersten Mal festgestellt, dass alle kulturellen Minderheitengruppen zusammengenommen die Anzahl der weißen Schüler_innen überstiegen hat. Außerdem hat sich die Anzahl der sogenannten ‚Hispanics‘ – also der Zugewanderten aus spanisch-sprachigen Ländern und ihre Kinder – in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt, sodass heute ist ein Drittel der gesamten US-Schülerschaft, also knapp 13 Millionen Hispanics sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

Während seines Wahlkampfes hat sich Donald Trump in Bezug auf die Migrationspolitik mit populistischen und diskriminierenden Äußerungen positioniert. Dabei hat er insbesondere über die mexikanischen Einwander_innen gesprochen, die er als Drogenhändler, Kriminelle oder Vergewaltiger bezeichnete und ihre massenhafte Abschiebung ankündigte. Weiterhin richtete er sich gegen jegliche ethnischen und religiösen Minderheiten sowie gegen Frauen und die LGBT-Community, die sich seit seiner Wahl zum Präsidenten um ihre Aufenthalts-, Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte sorgen. Gleichzeitig versprach Trump den Weißen ihre dominante Machtposition in der Gesellschaft zurück.

Trump trägt den Hass in die Schulen

In einer Umfrage gaben mehr als 90% der 10.000 teilnehmenden Bildungsakteur_innen an, negative Auswirkungen der Kandidatur und des Wahlsiegs von Donald Trump auf die Motivation und Interaktion der Schüler_innen beobachtet zu haben. Sie bemerkten einen drastischen Anstieg verbaler und physischer Gewalt, einschließlich Androhungen, Mobbing und Beleidigungen, vonseiten der weißen Schüler_innen vor allem gegenüber ihren eingewanderten, weiblichen und muslimischen Mitschüler_innen.

Die Mehrheit solcher Vorkommnisse traten in Schulen mit einer Schülerschaft von 70% oder mehr Weißen auf. Die Abbildung 2 zeigt, dass fast die Hälfte aller 98.454 Schulen in den USA solch eine demografische Struktur aufweist.

 

 

 

 

 

 

 

 

In den Schulen, in denen keine Gruppe die Mehrheit stellt, beobachteten die Befragten seit Trumps Präsident­schaftskandidatur eine zunehmende ethnische Segregation und Anfeindung zwischen den verschiedenen Gruppen. In den Schulen mit einer über­wiegenden Zahl an Schüler_innen, die einer ethnischen oder religiösen Minderheitengruppe angehören, stellte das Schulpersonal in 80% der Fälle eine verschlechterte Auffassungsgabe und Konzentrationsfähigkeit. Sie identifizierten sich nach Meinung der Befragten im Kollektiv als Opfer und teilten die Beunruhigung und Zukunftsangst miteinander, dass sie und ihre Familien ausgewiesen oder auseinandergerissen werden könnten und sie die Schule und ihre gewohnte Umgebung verlassen müssten. Insgesamt lässt sich erkennen, dass sich der Aufstieg Trumps, abhängig von der demografischen Lage der Schule, auf ganz unterschiedliche Weise auf die Stimmung der Schülerschaft und das damit zusammenhängende Schulklima auswirkt.

Beispiele aus dem US-amerikanischen Schulalltag

Nachfolgend sind einige beispielhafte Vorkommnisse aufgeführt, die sich seit Trumps Präsidentschaftskandidatur im schulischen Kontext ereigneten.

  1. Vorkommnisse gegen Schüler_innen mit Migrationshintergrund:

In New Jersey hat ein weißer Schüler seinen Mitschüler_innen mit Migrationshintergrund zu verstehen gegeben, dass ihre Eltern ausgewiesen und sie selbst die Schule verlassen müssen. Weiße Schüler_innen überreichten ihnen zudem gefälschte Abschiebungsbriefe. In Indiana haben Weiße in einer Schule zu den Lateinamerikaner_innen gesagt, dass Trump sie über die Mauer schmeißen wird und dass sie den Tag kaum erwarten könnten, an dem sie und die anderen ‚Brownies‘ (in Bezug auf die Hautfarbe) endlich das Land verließen.

  1. Vorkommnisse gegen afro-amerikanische Schüler_innen:

In Tennessee wurde eine Wand mit den Worten ‚Kill the n*****s‘ beschmiert, Zettel mit dem N-Wort in Klassenzimmern gefunden und zwei Weiße, die ‚Trump, Trump, Trump‘ sangen, hinderten einen afro-amerikanischen Schüler daran, den Klassenraum zu betreten. In Oregon war eine Nachricht an der Tür der Jungstoilette zu lesen, die spezifisch an einen der sieben Afro-Amerikaner_innen der Schule gerichtet war. Sie enthielt neben dem N-Wort auch einen Bezug zum KKK (Ku-Klux-Klan) und die Aufforderung, er möge den Juden folgen. Dort brachten weiße Schüler_innen mit ihren rassistischen Anfeindungen auch eine afro-amerikanische Schülerin mehrfach dazu, weinend das Klassenzimmer zu verlassen.

  1. Vorkommnisse in Bezug auf die Ermächtigung der weißen Schülerschaft:

In Kalifornien wurde ein Hakenkreuz mit den Worten ‚Make America Great Again‘ auf den Tisch einer Lehrkraft mit Migrationshintergrund gezeichnet. In Colorado haben sich zudem weiße Siebtklässler mit ‚Heil Trump!‘ begrüßt. In Washington State wurden vielzählige Hakenkreuze auf den Schulmöbeln gefunden und man hörte weiße Schüler_innen am Tag nach der Wahl im Sprechchor ‚White Power‘ rufen.

  1. Genderspezifische Vorkommnisse:

In Georgia verwendeten Schüler vermehrt den Ausdruck ‚Trump that bitch‘. In Oregon machten junge Männer vermehrt sexistische Witze und beleidigten damit ihre Mitschülerinnen. In Michigan benutzten weiße Schüler Schimpfwörter, um sich für die Abschaffung der Frauenrechte und die Bestrafung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen auszusprechen. In Kansas wurden Schülerinnen von ihren männlichen Mitschülern gegen ihren Willen angefasst und in Ecken gedrängt.

  1. Vorkommnisse gegen Muslim_innen:

In Minnesota wurden Beleidigungen wie ‚Sendet die Muslime zurück, denn sie sind für 9/11 verantwortlich!‘ von Schüler_innen auf Aufgabenzettel geschrieben. Im Religionsunterrichts in Washington D.C. hat ein Schüler ‚Ich hasse Muslime!‘ gerufen.

In 672 von den insgesamt 1.500 geschilderten Einzelfällen, kam das Wort Abschiebung vor, in 476 Fällen fand sich der Ausdruck ‚Build the Wall‘ (Baut die Grenzmauer) und in 117 Fällen verwendeten Schüler_innen das N-Wort. Zudem fällt auf, dass viele weiße Schüler_innen die Sätze und Schlagwörter wiederholen, die Trump während des Wahlkampfes benutze, um sich als Präsidentschaftskandidat politisch zu positionieren.

Was sind die Wurzeln des Trump-Effekts an Schulen und was kann gegen diese Radikalisierung unternommen werden? Dazu mehr in Teil 2 nächste Woche.