Teaching for Empowerment: Lernend die Welt verändern

BNE

Besser als jeder Hörsaal: Im Team Ideen entwickeln, umsetzten und damit auch noch nachhaltig sein. Foto: Brian/Flickr

Mit Hilfe eines Seminars der Uni Kiel im Bereich BNE (Bildung für Nachhaltige Entwicklung) werden Studierende dazu ermächtigt Projekte zu starten, die nicht nur lehrreich sind, sondern zusätzlich einen gesellschaftlichen Nutzen haben. Unsere Autorin Simone Hermes besuchte die Konferenz n des Vereins netzwerk n und hörte dort einen Vortrag von Christoph Corves, welcher das Konzept entwickelte.

Christoph Corves studierte Geographie, Geoinformatik und Biologie und wollte die Welt besser machen. Am liebsten durch Entwicklungshilfe an entlegenen Orten dieser Welt. Doch dazu sollte es nie kommen, denn ihn ergriff die Idee, die Welt zu retten indem er in seinem nahen Umfeld aktiv wird. Als Unidozent machte er sich zudem Gedanken um die vielen Studierenden an den Universitäten, die zwar wissenschaftlich ausgebildet, aber nur selten selbst im wissenschaftlichen Betrieb tätig werden wollen. Wie kann an der Uni der wissenschaftliche Hintergrund mit einem praktischen Nutzen verbunden werden? Wie können die Studierenden dennoch durch die Hochschule erreicht werden?

Raum für Ideen und Projekte

Ein beeindruckendes Beispiel zeigt, wie erfolgreich Corves Idee sein kann: Ein Student wollte vor ein paar Jahren seine Bachelor-Arbeit über Ökotoiletten in Afrika schreiben. Aber warum in die Ferne schweifen, wenn die in Deutschland verwendeten Wasser- oder Chemietoiletten genug Probleme bereiten. In dem von Corves entwickelten „yooweedoo“-Seminar wurde die Ökotoilette konkretisiert. Wie ist so ein Projekt technisch umsetzbar? Wo macht der Einsatz Sinn? Die Antwort war schnell klar: auf Großveranstaltungen wie Festivals! Mittlerweile arbeiten sieben Menschen für Goldeimer.gmbh und stellen 70 Ökotoiletten auf Großveranstaltungen. Denn viele Menschen sind bereit für die gute Sache etwas zu zahlen. Auf Festivals gibt sogar mehr Freiwillige die die Toiletten putzen wollen, als es Jobs zu vergeben wird.

Video: Goldeimer für eine bessere Welt

 

Im „yooweedoo“-Seminar lernen die Studierenden Strategien des sozialen Entrepreneurship, welche sie sofort umsetzen können. Doch das Seminar vermittelt mehr als lediglich Fähigkeiten zum eigenen Unternehmer_innentum. Zunächst gibt es Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen Raum und Anregungen dazu eigene Ideen zu entwickeln. Der Aspekt des gesellschaftlichen Nutzen steht dabei im Vordergrund, denn „der Begriff ‚Nachhaltigkeit‘ turnt die Studierenden eher ab“, meinte Corves. Die Studierenden werden viel mehr ermutigt sich über ihr Leben in ihrer Stadt, in ihrer Region Gedanken zu machen. Was stört sie? Was wollen sie besser machen?

Als Team die Welt verbessern

Zunächst wird mit Unterstützung des Dozenten oder der Dozentin eine Projekt-Idee entwickelt und ein Projekt-Plan erstellt mit dem dann um Geld geworben wird. Bevor es losgeht startet jedes Team eine social media Kampagne. Das Öko-Toiletten-Team hatte schon drei Zusagen von Festivals bevor überhaupt die erste Toilette stand. Insgesamt werden jedes Jahr ungefähr 25 Projekte von unterschiedlichen Trägern gefördert.

Wenn die Studierenden ihr Projekt präsentieren müssen, ist es meistens schon so weit in der Entwicklung, dass sie merken, wo die Fähigkeiten der einzelnen Teammitglieder liegen. Dass die Studierenden im Team arbeiten ist Prämisse um gefördert zu werden. „Wir möchten keine Einzelkämpfer, sondern Menschen dazu ermutigen zusammenzuarbeiten,“ sagte Corves.

Video: YooWeeDoo Changemaker MOOC: Social Entrepreneurship

 

Nach einem Jahr ist die Pilotphase der Projekte beendet. Zwei Drittel der Projekte stellt danach die Arbeit ein, weil das Team auseinandergeht oder die Lust verliert. Etwa ein Viertel überführt das Projekt aber in eine offizielle Form, etwa durch die Gründung einer (g)GmbH oder eines Vereins.

Nachhaltig Radeln

Ein weiteres beeindruckendes Beispiel ist myBoo. Die Studierenden dieses Projekts erkannten die Stärke des Materials Bambus und kamen auf die Idee aus diesem nachwachsenden Rohstoff Fahrräder zu bauen. Heute ist auch aus diesem Projekt eine eigene Firma erwachsen.

Der Rahmen wird in Handarbeit im Rahmen des Yonso-Projekt in Ghana hergestellt. Die fünfzehn Arbeiter_innen dort erhalten einen so hohen Lohn, dass sie ihre Kinder zur Schule schicken und für eigene Unternehmensgründungen sparen können. Die Feinteile werden dann in Deutschland produziert und in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung angebracht. Obendrauf finanziert jeder Käufer, jede Käuferin ein Schulstipendium. Die Fahrräder sind nicht günstig, finden aber guten Absatz.

Selbst aktiv werden

Interessierte Studierende und Lehrende können sich auf der Zukunftsmacher-Plattform vernetzten und Informationen finden. Mit dem Chancemaker MOOC kann man etwa lernen, wie sozial und ökologisch nachhaltige Projekte geplant und umgesetzt werden können.

Eins möchte ich noch erzählen,“ schließt Corves seinen Vortrag ab, „jedes Jahr werten wir das Seminar aus. Und in einem Jahr schrieb ein Student mal, er sei sehr dankbar um das Seminar, denn er hätte ohne es nie gedacht einmal eine gute Idee haben zu können. Da dachte ich echt, was ist da vorher in der Schule passiert, dass diese Person erst hier diese Erfahrung machen konnte?“