Mehr Bildung für nachhaltige Entwicklung

netzwerk n

Treibt eine nachhaltige Hochschule voran: das netzwerk n. Bild: netzwerk n

Auf der Konferenz n des Vereins netzwerk n trafen sich ca. 140 Aktivist_innen, um über die sozial und ökologisch nachhaltige Gestaltung von Hochschulen und Lehre zu diskutieren. „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ heißt das Zauberwort. Lukas Daubner war auf der Konferenz und berichtet, was es damit auf sich hat.

Der Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft ist – angesichts der Bedrohung durch den Klimawandel – dringlicher denn je. Bildung spielt hierbei eine wichtige Rolle: Lernt man bereits früh Probleme kreativ und ressourcenschonend zu lösen, so die Hoffnung, wird man es das ganze Leben tun. In Anbetracht des behäbigen Bildungs- und Hochschulsystems ist es allerdings fraglich, ob der Einstieg in die Nachhaltigkeit schnell genug vonstattengeht. Das Konzept „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) soll dazu beitragen. BNE ist laut der Wikipedia eine Bildungsoffensive, die „es dem Individuum ermöglichen [soll], aktiv an der Analyse und Bewertung von Entwicklungsprozessen mit ökologischer, ökonomischer und sozio-kultureller Bedeutung teilzuhaben, sich an Kriterien der Nachhaltigkeit im eigenen Leben zu orientieren und nachhaltige Entwicklungsprozesse gemeinsam mit anderen lokal wie global in Gang zu setzen“. Daran, dass der Wandel besser morgen als übermorgen kommt, arbeitet unter anderem das netzwerk n.

Wandercoaching für die nachhaltige Entwicklung

Das netzwerk n besteht seit Dezember 2010. Es ist ein Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und zeigt Wege auf, wie junge Menschen an einer nachhaltigen Bildungs- und Hochschullandschaft mitwirken können. Mitglieder sind Einzelpersonen, studentische Nachhaltigkeitsinitiativen sowie bundesweit und international handelnde Akteur_innen. Im netzwerk n kommen sie zusammen und bündeln ihre Aktivitäten.

Ein wichtiger Baustein in der Arbeit des Netzwerks ist das Wandercoaching. Wandercoaching ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt, welches dabei helfen soll, BNE an und in die Hochschulen zu tragen. Die Idee dabei ist, dass diejenigen die bereits viel Erfahrung und Wissen haben, andere, die Unterstützung und Begleitung erfragen, auf Augenhöhe anleiten. Ziel des vierwöchigen Beratungsprozesses ist eine Nachhaltigkeitsstrategie für die jeweilige Hochschule zu entwickeln.

Konferenz n

Im winterlich verschneiten FEZ-Berlin, Europas größtem Kinder-, Jugend- und Familienzentrum, trafen sich vom 22. bis zum 24. Januar 140 Nachhaltigkeits-Aktivist_innen, um Wege zu finden den Aspekt „Bildung“ in der BNE zu stärken. Hochschulen, so der von der Mitgliederversammlung am Sonntag wiedergewählte Sprecher Johannes Geibel, sind Orte des Lehrens, Lernens und Forschens und damit entscheidende Zukunftslabore und Experimentierfelder für den erforderlichen Transformationsprozess. Die Diskussion stand im Spannungsverhältnis von Einfach-Machen-Ansätzen, wie etwa dem tollen Konzept vom YooWeeDoo Changemaker Campus, und Top-Down-Vorstellungen, die BNE gesetzlich und institutionell verankern und vorschreiben wollen.

In sehr angenehmer Atmosphäre und aufgeteilt in 5 Workshops zu den institutionellen und politischen Ebenen nahmen die Teilnehmenden Ideen und bestehende Modelle unter die Lupe: Wie können Initiativen und Ansätze gefördert werden und wie können mehr Leute erreicht werden? Deutlich wird schnell, dass neben fehlenden finanziellen Mitteln, die starren und komplizierten Strukturen der Hochschulen eine Hürde darstellen.

Zäh bleiben

Die Lehre zu verändern kann nicht einfach von oben verordnet werden. Dozent_innen müssen ihre Lehre selbst öffnen, damit bloßer Wissenskonsum nicht mehr stattfindet. Sie bräuchten dafür Zeit, aber auch ein eigenes Interesse an den vielfältigen Aspekten von nachhaltigem Handeln. Das Ziel müsste sein, dass Studierende häufiger die Erfahrung machen, dass Dinge auch anders als vorgegeben laufen können. Es muss daher ein Weg aus den engen Lehrstrukturen gefunden werden, um Freiräume für experimentelles Lernen und Forschen zu ermöglichen. Wichtig, merkt eine Teilnehmerin an, sei es daher mit Dozent_innen in den Dialog zu treten, Feedback zu geben und Ideen einzubringen. Trotz dem Bachelor/Master-Korsett können solche Kleinigkeiten schon Berge versetzten.

Der Wunsch einiger Anwesenden, den Hochschulen BNE einfach gesetzlich zu ‚verordnen‘, scheitert derzeit noch am mangelnden politischen Willen und auch Interesse. Dabei wäre das durch bestehende Zielvereinbarungen zwischen Bundesländern und Hochschulen sogar möglich – ob der erhoffte Wandel dadurch aber tatsächlich eintritt, bleibt Spekulation. Klar ist allen Beteiligen daher, dass trotz einiger Erfolge, weiterhin vieles zu tun ist. Der Gang durch die (Hochschul-)Institutionen ist ein langer – und nicht immer erfolgreich. Deshalb scheint es, als würden die meisten den Einfach-Machen-Ansatz bevorzugen und mit gutem Beispiel vorangehen: Fährräder aus Bambus bauen, Wasserspender auf dem Campus durchsetzen, Repair-Cafes organisieren, Ökoklos für Festivals entwerfen oder Bioessen in der Mensa ermöglichen.