Mit Bildung gegen Vorurteile in Europa!

Europa_Bildung

Das gemeinsames Europa hängt fest. Mehr Bildung kann da helfen! Foto: Niccolò Caranti /Flickr

Die Diskussionen über Europa sind momentan vor allem durch Vorurteile und Einseitigkeiten geprägt. Adrian Eppel findet, dass mehr Europa in der Schule zu besserem Verständnis der Ereignisse in Europa und damit letztendlich zu einer größeren Einigkeit führt. Denn trotz Krise muss das Ziel weiterhin „mehr Europa“ heißen.

Der faule Grieche nervt – der böse Deutsche diktiert“ – diesen Vorurteilen kann und muss vorgebeugt werden. Am effektivsten kann dies in der schulischen Bildung erreicht werden.

Sowohl die nationalen Medien als auch die Regierungen machen es sich bei der Beschreibung der europäischen Krise zu einfach. Oft wird plakativ mit dem Finger auf die Gegenseite gezeigt, um eigenes Fehlverhalten zu kaschieren. Aussagen von deutschen Politikern wie „der Grieche nervt“ und Plakate von Merkel oder Schäuble in Nazi-Uniformen bei griechischen Protesten gegen Sparmaßnahmen spiegeln auf beiden Seiten eine engstirnige nationale Sichtweise wider. Reißerische Schlagzeilen in der aktuellen Diskussion gefährden daher das gemeinsame Europa.

Ein europäischer Lehrplan muss her

Schulische Bildung, zum Beispiel in den Fächern Geschichte und Sozialkunde, kann über die nationalen Grenzen hinaus langfristig zu mehr gegenseitigem Verständnis führen. Nur wer die historischen, sozialen und kulturellen Besonderheiten des anderen kennt, kann sich in dessen Lage hineinversetzen und damit Vorurteilen vorbeugen.

[box style=“grey info rounded“ ]Adrian Eppel (geb. 1985) hat Internationale Beziehungen in Bristol, Bordeaux, Freiburg und Paris studiert. Nun promoviert er an der Freien Universität Berlin im Bereich neue Parteien in Europa und arbeitet gleichzeitig als Sprachlehrer.  Besonders interessiert er sich für ein demokratisches Europa, das durch Bildung noch stärker zusammenwachsen soll. [/box]

Durch Unterrichtsinhalte, die sich mehr mit unseren europäischen Partnern beschäftigen, wird nicht nur das Wissen, sondern auch das Verständnis für Menschen anderer Länder gefördert. Daher sollten Lehrpläne in der Europäischen Union ihren Schwerpunkt mehr auf europäische Geschichte und Sozialkunde legen. Wenn dies bindend eingeführt wird, steigt auch das Interesse an anderen Ländern.

Wenn die Bürgerinnen und Bürger eines Landes besser über die Umstände der anderen Länder Bescheid wissen, können sie mediale und politische Kampagnen besser aufdecken. Durch größeres Hintergrund- und Kontextwissen, sind Bürgerinnen und Bürger zudem nicht mehr so sehr von der oft einseitigen und zugespitzten Berichterstattung – etwa zur Griechenlandkrise – abhängig.

Mehr Austausch!

Momentan finden Schüleraustauschprogramme hauptsächlich im Rahmen des Sprachunterrichts statt. Die Idee dahinter, interkulturelles Verständnis zu fördern, ist richtig, sollte jedoch noch weitergedacht werden. Allerdings sollten Austauschprogramme zwischen Nord- und Südeuropa auch bei fehlendem Griechisch-, Spanisch- oder Italienischunterricht gefördert werden. Wer den Familienalltag im jeweils anderen Land bereits im jugendlichen Alter kennen lernt, wird diese prägende Erfahrung auch Jahre später noch im Hinterkopf behalten, wenn in den Medien europäische Problematiken einseitig dargestellt werden. Diese Erfahrungen lehren weit mehr über das andere Land als es Medienberichte jemals tun könnten. Das Erasmus-Austauschprogramm für Studierende ist der sichtbare Beweis dafür. Nun gilt es, bereits Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, von ähnlichen Erfahrungen zu profitieren.

Die Durchsetzung von europaweiten Lehrplänen mag utopisch sein.

Allein die Macht der deutschen Bundesländer in Bildungsfragen lässt daran zweifeln. Hinzu kommt, dass die Regierenden eher bis zur nächsten Wahl als 10 bis 20 Jahre im Voraus denken. Allerdings war es bislang trotzdem möglich, Lehrpläne zu ändern. Und wer sich bewusst macht, dass mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen langfristig Problemen und Vorurteilen vorgebeugt werden kann, sollte nicht vor utopischen Gedanken zurückschrecken. Also liegt es an den heutigen Verantwortlichen, langfristig die Weichen für ein verständnisvolleres Europa zu stellen.

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