Faire Bildung – eine Utopie oder zum Greifen nah?

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Gemeinsam Bildung revolutionieren. Foto: Jan Duensing

Unsere Autor_innen Lejla Gehab und Yussra Tolba haben den Jungen Bildungskongress 2015 genauer unter die Lupe genommen und mit Referenten_innen und Mitglieder des Organisationsteams darüber gesprochen, ob faire Bildung zum Greifen nah ist oder eine Utopie bleibt. 

 

Jede_r kennt das Schulleben – ob als Lehrer_in, Schüler_in oder Eltern. Sei es der Leistungsdruck, die Angst vor dem Versagen oder die Mobbingattacken auf “Streber” oder “Versager”. Viele Menschen blicken nicht mit Freude auf ihre Schulzeit zurück, doch woran liegt das?

Die Initiatoren_innen des “Jungen Bildungskongresses 2015” haben sich mit diesen Problemen auseinandergesetzt. Schon im zweiten Jahr in Folge beschäftigen sie sich mit der Frage, wo die Probleme im Schulsystem liegen und wie man sie löst. Doch was ist gute Bildung und wie kann man sie erreichen?

Die Intention des Bildungskongresses ist es, Menschen zu vereinen, neue Ideen zur Verbesserung des Bildungssystems zu finden und das Interesse zu wecken, etwas zu verändern.

Den Kern des Problems sehen sie vor allem in der Ungerechtigkeit gegenüber verschiedenen gesellschaftlichen und sozialen Schichten. Unter dem Motto “Was bildet ihr uns ein?” laden sie Abgeordnete, Forscher_innen und Lehrer_innen zu einem Dialog ein. Durch gemeinsames Lernen soll sowohl die Solidarität als auch die Akzeptanz der verschiedenen Individuen gefördert werden.

Das Problem liegt auch in der Förderung von staatlichen Projekten und Schulen. Studien zeigen, dass das Bildungsniveau in privaten Schulen steigt, während es zeitgleich an staatlichen Einrichtungen sinkt. Auch der Bildungsforscher Manfred Weiß vertritt die Meinung. Doch was ist der Grund? Privatschulen kosten den Familien viel Geld, also werden gute Noten auch erwartet.

“Um etwas verbessern zu können, brauchen wir Geld, denn Geld ist der Schlüssel zum Erfolg”, sagt Michael Feindler, der das erste Mal im Organisationsteam des Jungen Bildungskongresses ist. Und fügt hinzu: “Es ist aber auch nicht alles.“ Das Engagement eines jeden ist erforderlich um die Bildung zu verbessern. Auch im internationalen Bildungssystem hängt Deutschland zurück, Grund dafür sei der Mangel am Interesse der Politiker, so Michael.

Auch an den Hochschulen gibt es viel zu tun

Im Interview spricht auch Philipp Breder, Mitglied des Juso-Hochschulgruppen Bundesverbandes, über die Probleme des deutschen Bildungssystems. Seiner Meinung nach läuft vieles im Bereich Partizipation und Mitbestimmung falsch. Denn alle kennen das, wenn in den Schulen die Lehrer_innen bestimmen und in den Hochschulen die Professoren_innen. Aber Deutschland sei ein demokratisches Land, weshalb alle gleichermaßen mitbestimmen sollen, so Philipp.

Lejla[box style=“grey info rounded“]Ich heiße Lejla Vehab und bin 18 Jahre. Seit einem knappen Jahr bin ich Mitglied bei der Schülerzeitung „der Moabiter”. Ich liebe es zu schreiben, mich mit Freunden zu treffen und shoppen gehe ich auch sehr gern. [/box]

Positiv aber ist, dass alle Leute sich treffen und engagieren, um sich auszutauschen, wie z.B. hier beim Kongress. “So fängt alles an”, sagt Philipp. “Die Beiträge können weitergetragen werden, und werden vielleicht Realität.” Sein Ziel ist es, die gemeinsame Partizipation an Bildungsinstitutionen zu fördern. Er möchte eine Gesellschaft, die demokratisch ist, offen, tolerant und die es ermöglicht, gemeinsame Entscheidungen zu treffen.

Michael führte weiterhin aus, dass Schulen durch Sozialpädagogen_innen und kleinere Klassen in Schüler_innen die Motivation wecken sollten, sich in jedem Fach zu bemühen. Gute Bildung bedeutet für ihn ein angstfreies Lernen, die Begeisterung zum Lernen in jedem Menschen zu wecken und die Entwicklung des selbstkritischen Denkens zu fördern.

Yussra Tolba[box style=“grey info rounded“]Ich bin Yussra Tolba, bin 18 jahre alt und mache mein Abitur. [/box]

Nach diesem Prinzip würden Kinder und Jugendliche in Zukunft lächelnd und motiviert an die Schule denken.

Bildung fängt schon im frühen Kindesalter an

Im Kindergarten fängt die Lernphase für die meisten an. Man lernt viele wichtige Dinge, unter anderem, das soziale Verhalten in größeren Gruppen.

Doch es gibt auch in diesem Fall Probleme. In Leipzig fehlten 5000 Kita-Plätze. Die Politiker_innen versprachen etwas zu ändern, aber es fanden keine Veränderungen statt. Und niemand interessierte sich dafür. Victoria Jankowics wurde deswegen Mitbegründerin einer Kita-Initiative in Leipzig. „Mit der Initiative gucken wir den Politikern auf die Finger.“

Weiterhin ist der Umgang mit den Kindern in Kindergärten nicht akzeptabel, sagt Victoria. Man sollte die Kleinen ernst nehmen, denn sie sind ansprechbar, nicht doof. Victorias Ziel ist es, das Bildungssystem zu verbessern. „Ich will eine andere Bildung erfahren, als die staatlich vorgesehene.“

 

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