Vom Publikum aufs Podium

Selbstermächtigung ohne Bühne

Selbstermächtigung ohne Bühne. Foto: Jan Duensing

Am 30. und 31. Mai hat in Berlin der Junge Bildungskongress 2015 stattgefunden. Dieser wurde extra von einer Jungen Pressegruppe multimedial begleitet. Die Mitglieder haben geschrieben, gefilmt und Interviews geführt. Das erste Ergebnis ist dieser Artikel von Clara Woopen.

Es gibt viele Wege zur Bildungsrevolution, einer führt von unten aufs Podium des Jungen Bildungskongresses 2015.

Samstag, 10 Uhr 30 in Berlin, auf dem Jungen Bildungskongress 2015 erstreiten sich Bildungsbetroffene Mitsprache im System. Sie fordern nicht mehr als die Revolution – Selbstermächtigung ist Programm, ein Podiumsstuhl ist für das Publikum reserviert.

Im Bildungssystem sieht das sonst anders aus, wettert Daniel Rick von der Organisation „Freiwilliges Jahr Beteiligung“: „In der Bildung gibt es Strukturen, die sind alles andere als demokratisch.“ Oder werden sie nur nicht genutzt? Hat er übersehen, dass die Wahlen in der Hochschulpolitik kaum jemanden interessieren? „Demokratie ist für mich etwas anderes als nur mein Kreuzchen zu setzen“, interveniert Henrike Vogel auf dem demokratischen Stuhl. Die Basis der Demokratie ist also gefragt, aber: „Wenn ich mich engagieren will, muss ich mir das auch leisten können“, beschwert sich Phillipp Breder vom Bundesverband der Juso-Hochschulgruppen. Das Stichwort „Elite“ fällt unter allgemeinem Schmunzeln, das Publikum applaudiert für Vielfalt jenseits der Norm und kapitalistischer Verwertbarkeit.

Willkommen aus der Ecke

Als sich die Revolutionär*innen in vier Workshops einteilen, passiert trotzdem, wovor sich alle hüten wollten: „Es kommen alle in irgendwelche Ecken“, beschwört Michael vom Organisationsteam, „aber heute kommt ihr da auch wieder raus“.

clara_woopen[box style=“grey info rounded“ ]Clara Woopen (geb. 1994) studiert Geschichte und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. In ihrem Erasmus-Semester in Paris begegnete sie einem Bildungssystem, das besonders hierarchisch aufgebaut und auf die Vermittlung von vermeintlichen Fakten ausgerichtet ist. Ihre Schwierigkeiten in diesem System sensibilisierten sie für verschiedene Konzepte von Bildung. Clara unterstützte den Jungen Bildungskongress 2015 durch ihre Pressearbeit. [/box]

Befreiendes Lachen, wir sind zwar in einer Schule, aber eben am Samstag. Aus welchen Ecken wir rauskommen wollen? Zum Beispiel aus dieser: „Kinder mit Behinderung, äh, Entschuldigung, mit Beeinträchtigung“, korrigiert sich der ehemalige Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner.

Alle sind willkommen, alle werden gehört, soweit der Plan. Müssen wir jetzt noch lernen gehört zu werden oder kommt die Revolution von alleine? Dorothea Schütze, Begleiterin von Demokratieentwicklung an Schulen, weiß: „Da wird immer von Mächtigen gesagt: Macht doch mal. Die Frage ist: Wer setzt die Norm?“ Auf dem Bildungskongress soll nichts gesetzt, sondern hinterfragt werden. Rainald Manthe, Mitglied des Vereins „Was bildet ihr uns ein?“, stellt klar „Die Referent*innen sind nicht da, um zu referieren.“ Hierarchie ade, Revolution hohe.

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