Neue Mädchen braucht das Land

Mädchen sind super - auch für MINT-Berufe. Foto: me_maya/Flickr

Mädchen sind super – auch für MINT-Berufe. Foto: me_maya/Flickr

MINT-Berufe gelten als wichtig, doch sie werden beinahe nur von Männern besetzt. Mädchen kommen kaum vor. Das erstaunt angesichts des Fachkräftemangels in diesen Bereichen. Warum das so ist und wie sich das ändern kann, schreibt unsere Gastautorin Ruth Meral Asan. 

Deutschland ist eine Ideenwirtschaft. Unsere Exportschlager sind moderne, durchdachte Technologien. Die Forschung, aus der diese stammen, wird hauptsächlich von Männern durchgeführt. Nur jede Fünfte aller in der Forschung tätigen Personen ist eine Frau. Sie ist eine von vielen Domänen, in denen Männer die Geschicke des Landes lenken. Das muss nicht so bleiben: Der Schlüssel zu einem höheren Frauenanteil an diesen Stellen liegt in der Bildung, genauer gesagt bereits in der frühkindlichen Erziehung.

Besonders wichtig für die industrielle Forschung sind die sogenannten MINT-Fächer, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Ein knappes Drittel der Studierenden in diesem Bereich sind weiblich. In den Naturwissenschaften erreichen die Frauen dabei mit 46 Prozent den höchsten Anteil, im Maschinenbau sind es dagegen nur 20 Prozent. Elektrotechnik belegen gar nur 12 Prozent Frauen.

Nun kann man natürlich argumentieren, dass Frauen einfach weniger Interesse an MINT haben als Männer – und wo ist das Problem? Soll doch jeder machen, was ihm oder ihr passt, oder? Das Problem ist, dass junge Mädchen bisher weniger dazu ermuntert werden, sich mit mathematischen und technischen Problemen auseinanderzusetzen. Während Jungen dazu angehalten werden, Fähigkeiten auszubilden, die ihnen später den Zugang zu MINT-Fächern erleichtern, können Mädchen ihre Neigungen zu diesen Themen häufig gar nicht erst entdecken.

Das fängt schon im Kleinkindalter an. Im Kaufhaus sind die Spielzeugabteilungen säuberlich nach Geschlechtern getrennt. In grässlichen pinken Gänge steht das Mädchenspielzeug: Puppen, Pferdeartikel und knuffige Plüschtiere. Die Spielzeuge, die an Jungen vermarktet werden sind nicht nur bunter, sie zeigen auch, womit Jungen von klein auf umzugehen lernen sollen: Baukästen, Autos, Lego-Welten mit komplexen Montage-Anleitungen.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Eltern und Lehrer, die Jungen und Mädchen dazu ermutigen, verschiedene Dinge auszuprobieren oder sogar gezielt gegen Geschlechterstereotype vorgehen. Aber solange Mädchen eingeredet wird, sie müssten sich in Mathe nicht anstrengen, weil sowieso niemand von ihnen erwartet, dass sie besonders gut darin sind; solange Mädchen sich rechtfertigen müssen, weil sie in Physik besser sind als in Deutsch; solange sie als „Sonderlinge“ gemobbt werden, weil sie sich für Robotik interessieren; solange wird es Grund dazu geben, dem entgegenzutreten.

Ruth_asan

 Ruth Meral Asan (geb. 1988) hat Kommunikations- und Politikwissenschaft
in Würzburg, Münster, Málaga und Berlin studiert. In ihrer Bachelor- und ihrer Master-Arbeit beschäftigte sie sich mit Geschlechterrollenbildern.
Sie war mehrere Jahre in der Gleichstellungsarbeit tätig und hat unter anderem in der taz.die tageszeitung veröffentlicht. 

Veranstaltungen wie der Girls‘ Day oder eine Vielzahl anderer MINT-Bildungsangebote speziell für Mädchen gehen bereits in diese Richtung. Hier können interessierte Mädchen in einem geschützten Raum mehr dazu lernen, sich ausprobieren und sich gegenseitig motivieren. Die Ergebnisse der Programme sind vielversprechend. So gaben 70 Prozent der ehemaligen Teilnehmerinnen des Projekts „Komm, mach MINT“ bei einer internen Evaluierung an, eine MINT-Laufbahn anzustreben oder bereits eingeschlagen zu haben.

Doch auch diese Programme erreichen meist nur junge Frauen, die bereits ein recht ausgereiftes Interesse für Naturwissenschaften oder Technik haben. Um noch mehr Mädchen den Spaß an MINT vermitteln zu können, müssen wir ihnen schon früh den Umgang damit beibringen. Also: Lehrer, fördert und fordert Mädchen mehr in Mathe, Physik und Chemie! (Umgekehrt gilt natürlich: Fördert und fordert Jungen mehr in Deutsch, Fremdsprachen und Sozialkunde!) Und Eltern: Bleibt den grässlichen pinken Spielzeugabteilungen fern!