Style at work: Berufsbekleidung mal anders

Macht diese Berufsbekleidung den Job attraktiver? Foto: Allison Marchant/Flickr

Macht diese Berufsbekleidung den Job attraktiver? Foto: Allison Marchant/Flickr

Krawatten sind in, Stewardessen süß und einen Overall würde ich sowieso niemals anziehen“ Machen wir unsere Berufswahl abhängig von der Berufsbekleidung? Und warum ist Kleidung aus männerdominierenden Berufen eher bei Männern beliebt? Mit diesen und anderen Fragen rund um den „Style at work“ hat sich das Staatliche Schulamt Darmstadt beschäftigt. Ein Gastbeitrag von Anna Weber. 

Als ich 7 war, wollte ich Prinzessin werden. Ich träumte von einem Schloss, einer Kutsche mit weißen Pferden, einem tollen Prinzen und natürlich einem wunderschönen Prinzessinnenkleid. Es sollte dunkelblau sein mit goldenen Sternen und einem süßen weißen Kragen.

In meinen heimlichen Träumen stellte ich mir vor, wie ich auf königlichen Konferenzen für das Wohl meiner Untertanen eintrat, eine faire Verfassung schrieb und dafür sorgte, dass es allen in meinem Königreich gut geht. Im weiteren Sinne gesehen war ich also so etwas wie eine Politikerin. Nur mit besserem Outfit.

Ein klassisches Geschlechterbild? Eine Umfrage an 8 verschiedenen Schulen im Landkreis Darmstadt-Dieburg zeigte, dass mehr als zwei Drittel der befragten Mädchen das Aussehen ihrer Berufsbekleidung wichtig ist. Und auch über die Hälfte der Männer würden sich unwohler in ihrem Beruf fühlen, wenn ihnen die Kleidung nicht gefällt. Insgesamt würden 221 von 300 Männern gerne Berufsbekleidung tragen. Sie beschreiben sie als praktisch und schätzen den Fakt, dass man morgens nicht lange überlegen muss, was man anziehen soll. Die Mädchen sehen das anders „es gibt einfach keine Berufsbekleidung, die gut aussieht“ beschwert sich eine Schülerin der zehnten Klasse. „Außer vielleicht die von Stewardessen ,die finde ich ganz süß“, fügt eine andere lachend hinzu. Aber richtet sich unsere Berufswahl tatsächlich auch an der Berufsbekleidung aus?

Kleider machen Leute

Die Berufsorientierung und die Entscheidung zugunsten eines bestimmten Berufes unterliegen vielen Faktoren. Doch die Redewendung „Kleider machen Leute“ hat ihre Berechtigung nicht nur im privaten, sondern selbstverständlich auch im beruflichen Bereich. Die äußere Erscheinung im Berufsalltag spielt eine große Rolle und wirkt sich auch auf den Berufsentscheidungsprozess aus. Aus diesem Grund rief das Staatliche Schulamt Darmstadt Mitte des Jahres 2014 das Projekt „Style at Work“ ins Leben.

Berufsbekleidung in männerdominierten Berufen berücksichtigt oft nicht nur Sicherheitsaspekte, sondern betont bestimmte Merkmale die mit männlichen Vorlieben verbunden sind, wie zum Beispiel Kraft Stärke und Ausdauer. Details wie Eleganz, Leichtigkeit, Farbwahl und Abwechslung, die eher von Frauen wahrgenommen werden, spielen eine nachrangige bis gar keine Rolle“,

erklärt mir dazu Bettina Weber, die Frauenbeauftragte des staatlichen Schulamts.

Berufsbekleidung aus männerdominierenden Berufen wird umgestaltet

Das soll sich jetzt ändern. Deshalb beauftragte Frau Weber einige Schneiderinnen der Alice-Eleonoren-Schule in Darmstadt damit, Berufsbekleidung aus männerdominierten Berufsfeldern umzugestalten und unter femininen Designaspekten weiterzuentwickeln. Die Sponsoren des Projekts, dessen Ergebnisse auf dem Ausbildungsinfotag im April, im Rahmen einer Modenschau präsentiert werden sollen, sind 10 bekannte Darmstädter Unternehmen. Die Unternehmer stellen ihre Berufsbekleidung zur Verfügung und fungieren als Paten des Projekts.

„Junge Frauen entscheiden sich sicherlich nicht gegen einen bestimmten Beruf, weil ihnen die Berufsbekleidung nicht gefällt. Aber sie assoziieren einen bestimmten Beruf mit der dazugehörigen Berufsbekleidung und einer dazugehörenden männlich belegten Ausstrahlung, die sie für sich selbst nicht attraktiv finden“, erklärt mir Frau Weber. „Das Ziel des Projekts ist also die Sensibilisierung für Gedankenaspekte in der Gestaltung der Berufsbekleidung. Wir wollen andere Unternehmen inspirieren und hoffen das Interesse Junger Frauen durch attraktivere Berufsbekleidung wecken zu können.“

Mehr Informationen unter: http://www.alice-eleonoren-schule.de/wp/blog/2015/02/03/style-at-work/