Das kleine 1×1 der Bildungsrevolution

Die Bildungsrevolution braucht uns alle

Die Bildungsrevolution braucht uns alle! Foto: London Permaculture/Flickr

Im Kampf für bessere Bildung und mehr Beteiligung von jungen Menschen kann man sich schon mal einsam fühlen. Es geht nur langsam voran und klare Ergebnisse bekommt man eher selten zu sehen. Dass es in diesem Kampf aber viele Mitstreiter_innen gibt beweist Marius Fischer in diesem Beitrag. Er zeigt, dass es neben Was bildet ihr uns ein? noch viele andere Initiativen gibt, die sich auf die eine oder andere Weise für eine bessere Bildung einsetzen.

Bei „Was bildet ihr uns ein“ arbeiten junge Leute daran, Bildungsbetroffenen eine Stimme zu geben und Schulen, Hochschulen etc. in Orte des Lernens zu verwandeln. Wir wollen die Bildungsrevolution und sind mit dieser Forderung nicht alleine.

Der Weg ist das Ziel- Bildungsrevolution on the road

Einen wichtigen Beitrag zu unserer Bewegung leisten die Leute von funkenflug: Seit zwei Jahren wandern sie jeden Sommer mit Schüler_innen aus der ganzen Republik nach Berlin. Auf dem Weg sprechen sie mit den Schülern über Schule und sammeln Wünsche und Ideen für ein neues Bildungssystem.
Auch die Kollegen von Kreidestaub haben beim Reisen Neues kennengelernt: Diese Gruppe von Lehramtsstudierenden glaubte, dass es außerhalb der Inhalte ihrer Universitätslehrpläne noch eine andere Welt gibt. Sie machten eine Reise zu Schulen und Lernorten in ganz Deutschland und dort stellten sie fest, dass sie Recht hatten.

Weitere Bildungsreisende gibt es hier zu sehen: Lernlust statt Schulfrust (ZDF-Beitrag) oder auf www.classroomalive.com.

Promi-Alarm: Von britischen Bildungsexperten und deutschen Philosophen

Sir Ken Robinson ist laut Wikipedia „author, professor, expert on education, creativity and innovation”. Er ist der Meinung, dass klassische Schulen Kreativität töten und diese Meinung bescherte ihm den meistgesehenen Ted-Talk der Welt: „How schools kill creativity“. Das ganze kürzer und graphisch aufgearbeitet findet sich hier: Changing Education Paradigms.

Im deutschen Raum war es vor allem der Philosoph Richard David Precht der im Bereich Bildung die Systemfrage stellte und diese in die öffentliche Diskussion brachte. Auf der Titelseite der Zeit (DIE ZEIT 16/2013) forderte er „stellt die Schule auf den Kopf“.

Sein Buch „Anna, die Schule und der liebe Gott“ ist ein offener Aufruf zur gesamtgesellschaftlichen Bildungsrevolution. In dem Buch kritisiert er WIE und WAS an unseren Schulen unterrichtet wird und stellt anschließend eine fiktive Schule vor, welche sich in ihrer Arbeitsweise an den Erkenntnissen der Gehirnforschung und Lernpsychologie orientiert.

Ein spannendes Interview aus besagter Zeit-Ausgabe findest du hier und die Zusammenfassung seines Buches hier. Beides sehr empfehlenswert!

Zuletzt genannt sei an dieser Stelle der Hirnforscher Gerald Hüther. Der Neurobiologe ist Verfasser diverser Bücher über die Funktionsweise (junger) Gehirne und wie das System Schule mehr oder weniger konträr dazu arbeitet. Auch ist er (Mit-)Initiator diverser Projekte wie Schule im Aufbruch, Kulturwandel in Unternehmen oder Bildungsstifter.

Schulen von innen heraus verändern

Nicht nur die Schüler_innen, auch die Lehrer_innen sind Leidtragende unseres Bildungssystems. Aber anstatt in Selbstmitleid zu versinken arbeiten manche von ihnen daran die Bildungsrevolution von unten nach oben durchzuführen. In der Initiative „Schule im Aufbruch“ (gegründet von Gerald Hüther, Margret Rasfeld und Stephan Breidenbach) organisieren sich europaweit Lehrer_innen und Schulbegeisterte in Regionalgruppen. In diesen Regionalgruppen findet ein Austausch zwischen Lehrer_innen und Schulen statt, welche sich „im Aufbruch“ befinden.
Das Ziel ist, Schulen zu Orten der Potentialentfaltung zu verwandeln und möglichst viele Lehrer und Leute in diesen Prozess einzubinden.

Ähnlich arbeitet auch der Verein „Initiative Neues Lernen“: Eine Gruppe von Moderator_innen und Trainer_innen, die Eltern, Lehrer_innen und Schüler_innen Workshops anbieten. Mit welchem Ziel? Na klar: Eine Bildungswelt, in der mehr Mitsprache herrscht und die „individuelle Förderung“ der Kinder und Jugendlichen mehr als eine hohle Phrase ist.

Unschooling-Schulen

Was ist Unschooling? Unschooling, oder auch Unlearning bedeutet, zu vergessen was man in der Schule gelernt hat. Das soll nicht heißen, dass man vergisst was 1789 in Frankreich stattgefunden hat. Es bedeutet vor allem, die in klassischen Schulen vermittelte/belohnte Denkweise hinter sich zu lassen und stattdessen mit Kreativität, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung den Alltag des 21. Jahrhunderts zu bestreiten.

Und ja – es gibt tatsächlich in Europa Schulen, deren Unterrichtsinhalt und Geschäftskonzept das „Unschooling“ der Teilnehmer_innen ist. Ihre Zielgruppe sind vom traditionellen Bildungssystem enttäuschte, junge Erwachsene und jede dieser Schulen verlangt leider mehrere tausend Euro Einschreibegebühren.1

Zum selbstbestimmten Lernen durch Netzwerke und Reisen rufen auch die folgenden Projekte anti-uni.com und Freies Uni-Experiment Stuttgart auf.

Marius Fischer

Marius Fischer (geboren 1988) arbeit als Dozent in Bremerhaven und studiert den Bachelorstudiengang „Irgendwas mit Medien“ an der Universität Bremen. Er engagiert sich seit längerer Zeit dafür das Bildungssystem von Grund auf neu zu überdenken. Die europaweite Initiative „Schule im Aufbruch“ unterstützt er als Koordinator der Regionalgruppe Bremen und ist auch seit Januar 2015 als Beisitzer im Vorstand von „Was bildet ihr uns ein? e.V.“ tätig. marius@present-e.org 

Blick über den Tellerrand

Noch Luft, liebe_r Leser_in? Auch in anderen Erdteilen tut sich was. Abschließend zwei Videos von jungen Aktivist_innen aus den USA:

Zum Einen ein Poetry-Slammer, der seinen Zuhörer_innen den Un-Sinn von Noten näher bringt („I will not let an exam result decide my faith“), zum anderen ein Vortrag des 13-jährigen Logan der über das Bildungssystem, Reformpädagogik und Education-Hacking philosophiert („Hackschooling makes me happy“).

Und was kannst Du selber tun?

Der Blogpost ist fast am Ende, wer ihn gelesen und sich vor allem ein bisschen durch die Links geklickt hat kennt nun das kleine 1×1 der Bildungsrevolution. Aber kann man schon von einer Revolution sprechen? Es ist nach wie vor nur ein kleiner Teil der Schulen an denen Umdenkprozesse begonnen haben.
In der öffentlichen Diskussion schimpft man über braune Blätter an den Ästen, anstatt den mürben, mürben Baum bei der Wurzel zu packen.

Ich will die Bildungsrevolution! Was bildet ihr uns ein? will sie, genau wie alle anderen oben genannten Akteure und Initiativen. Wir laden euch ein sich der Bewegung anzuschließen. Du weißt nicht wie Du anfangen sollst? Komm am 30./31. Mai zu unserem Jungen Bildungskongress in Berlin oder engagiere dich anderweitig bei wasbildetihrunsein. Mach bei den oben genannten Initiativen mit. Oder starte etwas Eigenes. Hack das Bildungssystem. Jedes der obigen Projekte war einmal eine verrückte Idee – und heute staunt man, wie viele Menschen ihre vernünftig-verrückten Ideen umgesetzt haben. Ohne sich von Zweiflern und Ewiggestrigen unterkriegen zu lassen.

Also alle mal einsteigen, oder was?!“

1 www.kaospilots.dk / www.kaospilots.ch

www.knowmads.nl / www.knowmads.es

www.yip.se

 

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