Über die Sisyphosarbeit der Betreuungssuche

Foto: Goethe-Uni via Wikimedia Commons

An vielen deutschen Universitäten tun sich Studierende schwer, eine passende Betreuung zu finden. Foto: Goethe-Uni via Wikimedia Commons

 

Durch die Umstrukturierungen im Mittelbau deutscher Hochschulen hat sich die Betreuungssituation an vielen Unis dramatisch verschlechtert. Viel Studierende tun sich mittlerweile schwer damit, eine/n passende/n Betreuer_in zu finden. Unser Autor Jonas Jordan kann ein Lied davon singen.

„Es tut mir leid, aber Sie müssen sich einen neuen Betreuer für Ihre Masterarbeit suchen.“ Ein Satz, der mich gleichermaßen schockiert und irritiert. „Wie meinen Sie das?“, frage ich die Sekretärin, die mich mit entschuldigendem Blick ansieht.

Ich bin gerade auf dem Weg, meine Masterarbeit anzumelden. Zuvor bin ich wochen- und monatelang immer wieder extra in die Uni gefahren, um die noch fehlenden Scheine zusammen zu suchen. Mal bekam ich zu hören, dass ein Schein verloren gegangen sei, mal war die betreffende Professorin wochenlang nicht anzutreffen, mal das Sekretariat ohne Vorwarnung geschlossen. Nun habe ich also endlich alle notwendigen Unterlagen zusammen. Das einzige, was mir noch fehlt: die Unterschrift meines Betreuers. Darauf warte ich seit eineinhalb Monaten. Versuche, ihn während dieser Zeit zu erreichen, blieben ohne Erfolg. Jetzt erfahre ich von seiner Sekretärin, dass er an eine andere Uni gewechselt ist und ich mir einen neuen Betreuer suchen solle. Und das acht Monate, nachdem ich die Betreuung mit ihm abgesprochen hatte. Ich bin perplex und ringe um Fassung. Geht die nervenaufreibende Suche nach einem_r passenden Betreuer_in nun von neuem los?

Wie mir geht es zurzeit vielen weiteren Studierenden meines Studiengangs. Circa 30 Leute besuchten im vergangenen Semester ein vorbereitendes Kolloquium bei eben jenem Dozenten. Schätzungsweise die Hälfte davon ging bis dato davon aus, ihre Abschlussarbeit bei ihm schreiben zu können. Wir alle sind nun Opfer seines Uniwechsels geworden, der zugleich jedoch Spiegel einer Entwicklung ist, die im Zuge der Umstrukturierungen in der deutschen Hochschullandschaft ihren Lauf genommen hat. Nicht nur für Studierende und Professor_innen wurde in den vergangenen Jahren der Anreiz erhöht, von Zeit zu Zeit die Hochschule zu wechseln. Auch für Dozent_innen des universitären Mittelbaus sind die Zeiten langfristiger Planungssicherheit an einem Universitätsstandort in vielen Fachbereichen längst vorbei. Zeitlich befristete Verträge sind häufig die Regel, sodass Dozent_innen nicht selten alle zwei Jahre die Hochschule wechseln. Leidtragende dieser Entwicklung sind Studierende, die sich oftmals monatelang vergeblich um eine adäquate Betreuung ihrer Abschlussarbeiten bemühen und letztlich bei emeritierten Professor_innen Zuflucht finden.

Ich habe Glück. Aufgrund einer uniinternen Übergangsregelung und weil ich mit meiner Arbeit schon sehr weit fortgeschritten bin, sagt mir der Dozent die Betreuung letztlich doch noch zu. Zwar mit einer erneuten Verzögerung von mehr als einem Monat. Doch immerhin besser, als mit der Sisyphosarbeit der Betreuungssuche von Neuem zu beginnen.