MP3-Player-Verbot in Salem – Kommt demnächst das Bücher-Verbot?

Musikhören? In Salem nur bis 21:30! Foto: Alexandra H.  / pixelio.de

Musikhören? In Salem nur bis 21:30! Foto: Alexandra H. / pixelio.de

Das Internat „Schule Schloss Salem“ nimmt seinen 13- bis 16-jährigen Schüler_innen zwischen 21:30 und 14:15 die Handys sowie bis Unterrichtsbeginn ebenfalls Laptops und Tablet-PCs weg – auch am Wochenende! Was in der Medienberichterstattung bislang untergegangen ist: Die Schule knöpft ihren Schützlingen zusätzlich auch die MP3-Player ab. Konsequenterweise müsste man auch die Bücher wegschließen, findet unser Autor Michael Grothe-Hammer.

Was an öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg rechtlich nicht möglich ist, kann man als privates Internat trotzdem umsetzen: ein umfassendes Handy-Verbot. Die Verantwortlichen des „Elite“-Internats „Schule Schloss Salem“ haben sich nun zum Rundumschlag entschieden. Nicht nur Handys, auch Laptops, Tablet-PCs und MP3-Player – alles muss weggeschlossen werden. Statt einen pädagogisch sinnvollen Umgang mit neuen Medien zu entwickeln, wie es fast jede andere Schule im Bundesland tun muss, hat man in Salem kapituliert. „Wir konnten nicht länger zusehen, wie sehr diese Geräte unseren Schülern Zeit, Konzentration und Aufmerksamkeit stehlen“, sagt Internatsleiter Bernd Westermeyer dazu.

Salem tweetet was das Zeug hält

In dieser ganz offen dargestellten Hilflosigkeit verhält sich die Schule alles andere als konsequent. Auf der einen Seite schmückt man sich auf der eigenen Homepage mit der Nutzung zahlreicher sozialer Medien wie Twitter, Facebook und Co und überschwemmt diese Medien jede Woche mit Dutzenden von Posts und Tweets. Auf der anderen Seite prangert man trotz eigener ausgiebiger Nutzung dieser Medien den „exzessiven Medien-Konsum“ der eigenen Schüler_innen an.

Entlarvend: Pressesprecher Dr. Hartmut Ferenschild poltert auf Spiegel Online zunächst über „Überflüssigkeiten wie WhatsApp“, nur um danach zu erzählen, wie er bei seiner eigenen nächtlichen WhatsApp-Nutzung gesehen hat, dass seine Tochter (und Salem-Schülerin) online ist. WhatsApp ist ganz offensichtlich nur dann überflüssig, wenn es von den Schüler_innen benutzt wird.

Wenn Musik den Schüler_innen die Zeit stiehlt

Zu diesen Merkwürdigkeiten gesellt sich nun auch noch, dass man den Schüler_innen die MP3-Player abnimmt. Warum nochmal? Die Schule führt als Grund den exzessiven Medien-Konsum an, sowie dass diese Geräte „Zeit, Konzentration und Aufmerksamkeit stehlen.“ In Salem hält man zu langes (oder zu spätes) Hören von Musik und Hörbüchern also offenbar für ein Problem. Mir fällt beim besten Willen kein Argument ein, warum dies so sein sollte. Wofür soll es gut sein, dass beispielsweise die 15-jährige Theresa nun abends keine Musik mehr hören kann? Glaubt man in Salem ernsthaft, dass ihr Musikhören schadet?

Kommt nun das Bücherverbot?

„In Salem geht es um Lernen durch reale Erfahrung, stattdessen steht die virtuelle Wirklichkeit im Vordergrund“, begründet ein Sprecher der Schule in der Frankfurter Allgemeinen das Rundum-Verbot. Mit diesem Argument müsste man allerdings in Zukunft konsequenterweise auch die privaten Bücher der Schüler_innen wegschließen – oder zumindest Romane. Denn auch diese kosten Zeit und Aufmerksamkeit. Und im Gegensatz zu den Charakteren in Büchern stecken hinter den Kontakten bei WhatsApp und Facebook immerhin reale Menschen. Kommt also demnächst das Bücherverbot? Es wäre nur logisch.