Schüler_innengeständnis – Wie die 6 auf mein Zeugnis kam

Chemie_ungenuegend

Zeugnis: Chemie ungenügend! Foto: Autor

Das Gefühl ungerecht benotet zu werden kennen wohl die Meisten. In unserem ersten Schüler_innengeständnis geht es um gemeine Lehrer und eine 6, die plötzlich auf dem Zeugnis stand.

Ich hatte noch nie eine Vier-Minus oder gar eine Fünf auf einem Zeugnis. Ich habe ein Zweier-Abitur und einen Einser-Abschluss von der Uni. Warum ich das erzähle? Im ersten Halbjahr der Jahrgangsstufe Elf, mogelte sich eine sechs auf mein Zeugnis. Wie kam es dazu?

Als ich in die Oberstufe kam, war ich mir zunächst unsicher: Man musste zwar nur eine Naturwissenschaft wählen. Allerdings konnte ich mich nicht entscheiden: Chemie oder Biologie. Beides hatte mir bis dato Spaß gemacht, aber vor allem in Chemie lief es ziemlich gut. Ich hatte eine zwei auf dem letzten Zeugnis. Trotz einer Tendenz zur Chemie entschied ich mich, zunächst beides zu belegen, um dann später wählen zu können.

Was passierte dann? Mit dem neuen Schuljahr bekam ich auch einen neuen Chemielehrer: Herr K.. Herr K. erschien zunächst freundlich und redete viel – aber leider nur wenig über Chemie. Wahlweise erzählte er uns immer wieder, wie er sich mit dem Hersteller von Plastik-Molekül-Modellen über die Verarbeitungsqualität selbiger stritt, oder wie es seinem alkoholkranken Bruder erging. Hinzu kam: Ich tat mich schwer. Das war nicht mehr die zehnte Klasse, sondern die Oberstufe. Der Stoff erschien mir plötzlich entsprechend schwerer. Ich bemühte mich mitzukommen.

Im Laufe des ersten Quartals kristallisierte sich immer mehr heraus, dass meine anfängliche Chemie-Tendenz zu einer Biologie-Tendenz wurde. Ich belegte den Chemie-Kurs nun nur noch mündlich und nicht mehr schriftlich – das war möglich. Meine Neuausrichtung schlug sich dann auch in der Quartalsnote nieder: vier. Nun gut, dachte ich mir: Bringen wir das Ganze nun solide zu einem Ende. Aber daraus wurde nichts. Mit Beginn des zweiten Quartals begann Herr K. damit ein mindestens merkwürdiges Verhalten gegen diejenigen an den Tag zu legen, die den Kurs nur noch mündlich belegten.

Ein gemeiner Trick

Wie komme ich zu dieser Einschätzung? Ein Beispiel zur Illustration: Als eine Klausur anstand, kündigte Herr K. an, dass diejenigen, die den Kurs nur mündlich belegten, an dem entsprechenden Tag lediglich zu Beginn der Sitzung erscheinen müssten, um ihrer Anwesenheitspflicht nachzukommen. Sie dürften dann aber sofort wieder gehen. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch einige im Kurs, die sich unsicher waren, ob sie den Kurs weiterhin schriftlich belegen wollten oder nicht. Daher machte seine Ankündigung Sinn. So konnten diese Personen spontan entscheiden, ob sie mitschreiben wollten oder nicht. Am Tag der Klausur nun erschienen alle und diejenigen, die den Kurs nur mündlich belegten, freuten sich auf zwei Freistunden. Dann aber verkündete Herr K., dass die Klausur für alle, die den Kurs nur mündlich belegten, nun ein verpflichtender schriftlicher Test sei. Das Ergebnis war klar: So gut wie alle, die den Kurs mündlich belegten, schnitten mit fünf oder sechs ab. Sie hatten schließlich noch nicht einmal mit Unterricht gerechnet, sich also inhaltlich auf nichts vorbereitet – geschweige denn auf einen zweistündigen Test.

So ging es dann weiter. Am Ende stand dann eine sechs auf meinem Zeugnis. Warum nun ausgerechnet ich, eine sechs und die meisten anderen nur eine Fünf bekamen, weiß ich nicht. Offenbar mochte Herr K. mich noch ein Stück weniger als die anderen. Wie aber aus einer vier (nicht Vier-Minus) im ersten Quartal am Ende insgesamt eine sechs werden konnte, ist mir immer noch schleierhaft. Ein arithmetisches Mittel kann es jedenfalls kaum sein. Selbst mit einer Sechs im zweiten Quartal, kann man eigentlich auf nichts Schlechteres als fünf kommen. (4+6):2=5, oder? Herr K. ist für mich leider zu einem Beispiel dafür geworden, was ein einzelner Lehrer mit kreativen Methoden und noch kreativeren Rechenkünsten anzurichten vermag. Zum Glück für mich war das Zeugnis des ersten Halbjahres der Stufe Elf das einzige, auf dem man sich eine Sechs ohne weitere Konsequenzen erlauben konnte. So ist ja alles nochmal gut gegangen – jedenfalls bei mir…

 

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