Schule: Ab in die Notaufnahme!?

Wie kann Schule wieder auf die Beine geholfen werden? Foto: Was bildet ihr uns ein?

An dieser Stelle wurde bereits vom Jungen Bildungskongress 2014 berichtet. Unsere Berichterstatterin Vanessa Ly hat beobachtet, dass das deutsche Schulsystem komatös ist und es dringend Menschen braucht, die es aufwecken. Ist die Schule noch zu retten oder haben die Organe bereits versagt? Vanessa hat beobachtet, dass die Lage ernst ist, die Kongressteilnehmer_innen aber Chancen für eine erfolgreiche Therapie sehen.

 

Mit einer Mindmap zum aktuellen Stand wurde die Schule quasi auf dem Seziertisch ausgebreitet – die offenen Wunden des Systems waren damit sichtbar: „Es fehlt vielen Schüler_innen an Spaß und Motivation“, so einer der „Bildungsbetroffenen“, wie sie von den Organisatoren, der Bildungsinitiative „Was bildet ihr uns ein?“, bezeichnet werden. Eine Mutter, und damit ebenfalls Bildungsbetroffene, bemerkte: „Die Schulpolitik muss in dem Sinne einen Hüftbruch erleiden, da sie den Spagat zwischen Freiwilligkeit und gemeinsamen Kultureinheiten nicht geschafft hat.“ Anscheinend sind Kraftlosigkeit und gebrochene Glieder ausgeprägte Symptome, unter denen die Schule leidet. Wie lautet nun also die Diagnose.

Diagnose: Trägheit

Für die Mehrheit stand ganz klar fest: Es liegt an der Trägheit des deutschen Bildungssystems. Dieses sei völlig veraltet. Beide – Lehrende sowie Lernende – hätten einen erhöhten Leistungsdruck zu beklagen. Die angehende Referendarin Judith Bomas kritisierte die schlechte Vorbereitung auf die Praxis: „Ich habe nützliche Kenntnisse der Psychologie und Methoden über das Lernen in Gruppen während meines Studiums vermisst.“ Eine andere Teilnehmerin meinte überzeugt: „Die Schaffung von Angst und Zeitdruck sind nicht zielführend, um Schüler zum Lernen zu motivieren.“ Doch nicht nur innerlich leide die Schule an ihren schwachen Organen. Auch der optische Zustand sei alles andere als förderlich für eine angenehme Lernatmosphäre, denn viele Schulen warten seit Jahren auf eine Sanierung.

Nach einer Bestandsaufnahme fanden sich die Teilnehmer_innen dann in Gruppen zusammen, um die offenen Wunden nicht nur wieder zusammenzunähen. Vielmehr gab es konkrete und realisierbare Vorschläge, das Schulsystem schnell wieder gesund und munter zu machen.

portrait_vanessa[box style = „grey info rounded“] Nein, Vanessa Ly (geb.1993) studiert nicht Medizin, sondern Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der FU Berlin. Dennoch würde sie schon gerne einmal Schönheitskorrekturen an der Bildungspolitik vornehmen – dann hätte es nämlich nicht mehr so eine lange Nase. [/box]

Die Operation Schule kann beginnen!

Für Lehramtsstudent Frank Splitt beispielsweise stand ganz klar fest: „Die Schüler_innen brauchen wortwörtlich mehr Bewegung! Wenn Schüler_innen kippeln dann ist das meistens ein Zeichen dafür, dass sie sich bewegen wollen.“ Bewegung sei die ideale Methode zum Lernen. „Stupides Vokabeln-üben zum Beispiel“, so schlägt der angehende Mathematik- und Englischlehrer vor, „kann man effizienter gestalten, wenn die Schüler_innen zu Wörtern wie climbing auch eine entsprechende Bewegung machen.“ (Dabei griff er wechselseitig mit den Armen hoch in die Luft und kletterte eine gedachte Leiter hoch.) Auch langjährig Berufserfahrene wie Jana Rieger, Lehrerin an einer Berliner Montessori-Schule, kritisierte: „Wir unterliegen als Lehrkräfte bestimmten Hierarchien.“ Die Lehrer hätten zwar Wünsche und Ideen zur Verbesserung der Bildungssituation an ihrer Schule, doch seien sie in einem System gefangen, das ihnen nur wenige Freiheiten erlaube. Wenn diese Einschränkungen den Bewegungsspielraum der Betroffenen begrenzen – wie groß ist da die Aussicht auf Erfolg?

Die ersten Schritte zur Selbsthilfe sind ein Erfolg!

Trotz der Barrieren stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht. Da gibt es bereits Schüler_innen wie Lena Heringhaus, die die Möglichkeiten an ihrer Schule nutzte, sie selbst mitzugestalten. Als Mitglied der Schülervertretung sehe sie nun die Bildungseinrichtung aus einem völlig neuen Blickwinkel: „Ich habe jetzt meine Nische gefunden.“ Seitdem sie Schülervertreterin ist, mache ihr die Schule wieder Spaß. Deshalb rät sie anderen Schülern ebenfalls aktiv zu werden: „Viele wissen überhaupt nicht wie viel sie verändern können.“

Es sind Schüler_innen wie Lena und Veranstaltungen wie der Junge Bildungskongress, die ihren Teil dazu beitragen, der veralteten, gebrechlichen Schulpolitik das Laufen zu erleichtern – zumindest theoretisch. Umsetzbare Reformvorschläge haben die Kongressteilnehmer_innen bereits entworfen und ihre Motivation, Dinge zu verändern, damit zum Ausdruck gebracht. Ihre Konzepte und Ideen legten sie Bildungspolitker_innen vor. Jetzt liegt es an denen, aus der chronischen Lethargie zu erwachen – und sich zu bewegen!

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