Wie man eine Utopie erfolgreich umsetzt – eine Gebrauchsanweisung

Die Organisator_innen des Bildungskongress. Foto: Junge Pressegruppe / Was bildet ihr uns ein?

Die Organisator_innen des Bildungskongresses. Foto: Junge Pressegruppe / Was bildet ihr uns ein?

Am 26. und 27. April 2014 fand in der Evangelischen Schule Berlin Zentrum der erste Junge Bildungskongress seiner Art statt. Veranstaltet wurde er von der Initiative „Was bildet ihr uns ein?“, die sich in Folge der Veröffentlichung eines gleichnamigen Buchs gründete. Treibende Kraft war und ist dabei stets der Anspruch, junge Menschen an Bildungspolitik zu beteiligen. „Utopisch“ und „visionär“ wurde dies in die Tat umgesetzt. Von Natalie Welfens.

„Die Person, ohne die wir wahrscheinlich jetzt alle nicht hier wären.“ Mit diesen Worten kündigt Susanne Czaja, Mitorganisatorin des Bildungskongresses die Rede der jungen Journalistin Bettina Malter an – der Frau, die als eine der Herausgeber_innen mit dem Buch „Was bildet ihr uns ein?“ gewissermaßen den Grundstein legte: Auf über 200 Seiten werden in dem 2012 veröffentlichten Buch verschiedene Hürden des deutschen Bildungssystems aufgezeigt. Wie Malter meint, habe sich aber trotz des breiten Medienechos bislang wenig verändert. Um eine „Bildungsrevolution“ auf den Weg zu bringen, brauche es offenbar mehr als nur das Buch, so Malter.

Wir müssen jetzt etwas machen.“

Die Oberflächlichkeit der Berichterstattung, das Gefühl, dass man zwar die Probleme aufgezeigt, aber keine Problemlösungen auf den Weg gebracht hatte, motivierte schließlich die Gründung der Initiative „Was bildet ihr uns ein?“. Wie Rainald Manthe, ebenfalls Mitorganisator des Kongresses, kommentiert: „Wir haben nach der Veröffentlichung gesehen: Da passiert nichts. Wir müssen jetzt etwas machen.“ Dabei sei das Ziel von Anfang an gewesen, „junge Leute, also ‚Bildungsbetroffene’, hörbar zu machen, ihnen eine Stimme zu verleihen“. Seit ihrer Gründung versucht die Initiative durch regelmäßige Blog-Beiträge zu verschiedenen bildungspolitischen Themen Kritik an und Ideen für das deutsche Bildungssystem zu verbreiten. Dieser Anspruch sowie der Wunsch eines Dialogs „auf Augenhöhe“ zwischen Expert_innen, Lehrer_innen, Politiker_innen und vor allem  „Bildungsbetroffenen“ wurde schließlich zum Motto des Bildungskongresses erklärt.

Zeit für große Visionen?

Über 100 Teilnehmer_innen verbrachten zwei Tage in insgesamt sechs so genannten „Zukunftswerkstätten“, mit Feedbackrunden, informellen Gesprächen und gemeinsamen Mahlzeiten. Ziel war es, zu kritisieren und „Utopien“ zu erarbeiten, aber auch realpolitische Forderungen zu stellen. „Wir wollten dieses Format einfach mal ausprobieren, damit man nicht sofort zu realistisch an Problemlösungen herangeht“, kommentiert Rainald Manthe. Susanne Czaja sieht darin die Chance, „nicht nur an kleinen Schräubchen zu drehen, sondern große Visionen zu erarbeiten und Möglichkeiten, diese umzusetzen.“

Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Präsentation der in den Zukunftswerkstätten erarbeiteten bildungspolitischen Forderungen vor einem Podium. Eine Bildungsrevolution wurde nicht ausgerufen, doch aber insgesamt zwölf Vorschläge, die diese zumindest einleiten könnten. Sie waren das Ergebnis angeregter und stets respektvoller Diskussionen zwischen Bildungsbetroffenen, Expert_innen und Politiker_innen. Den Spagat zwischen utopischer Bildungstraumwelt und realpolitisch Umsetzbarem präsentierten die Teilnehmer_innen mit so viel Selbstbewusstsein und Überzeugung, als würden sie die Bildungsreform zumindest ankündigen. Vielleicht ist dies das eigentliche Ergebnis der zweitägigen Veranstaltung: Sie hat jungen Menschen vermittelt, dass ihre Stimme nicht nur gefragt ist, sondern zählt und etwas bewirken kann. Damit hat die Initiative ihre Vision, „Bildungsbetroffenen“ eine Stimme zu verleihen, definitiv in die Tat umgesetzt.

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