Podiumsdiskussion mit Publikumsstuhl

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Das Publikum durfte mit diskutieren. Foto: Junge Pressegruppe / Was bildet ihr uns ein?

Den Abschluss des ersten Jungen Bildungskongresses Ende April bildete eine Podiumsdiskussion mit Expert_innen aus Politik, Wissenschaft und Praxis. Brauchen wir wirklich noch das Gymnasium? Und warum werden die Auszubildenden so selten gefragt? Unsere Kongressberichterstatterin Ramona Bunkus fasst die Diskussion zusammen und wünscht sich noch einen Bildungskongress.

Wie steht es überhaupt um die Stimme der Jugend?

Janosch Jassim (Landesschülersprecher Berlin) erzählte von seinem Alltag mit Politiker_innen aus der Senatsverwaltung. Seiner Erfahrung nach würden sie die Wünsche von Schüler_innen oft nicht beherzigen. So wundert es nicht, dass Schüler_innen wie die 14-jährige Alma de Zárate (Schülerin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum) ihren eigenen Weg wählte – als Mitautorin des Buches „Wie wir Schule machen. Lernen wie es uns gefällt“.

Wo waren die Azubis?

Das Gleiche gilt offenbar für Auszubildende. Gerade sie hätten viel zu fordern, bemerkte Wolfgang Gründinger (Demokratieforscher und Publizist), denn ihre Jobchancen seien im Verhältnis zu denen von Studierenden schlechter – und die die einen Job haben, verdienen meistens weniger Geld. Auszubildende besser zu erreichen und auch ihnen eine stärkere Stimme zu verleihen, war eine Herausforderung, der die Zukunftswerkstatt „Weiterbildung/Lebenslanges Lernen“ leider nicht gerecht wurde. Das Podium war sich darüber einig, dass Auszubildene stärker in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt werden müssten.

Leistungsdruck an Schulen

Den Leistungsdruck an Schulen illustrierte Saskia Esken (MdB, SPD) mit einer persönlichen Erfahrung und erzählte von einem Grundschüler, der untröstlich aus der Schule nach Hause kam und fest davon überzeugt war, dass aus ihm nichts werden würde.Was war geschehen? Die Lehrerin hatte die Namen der Schüler_innen ihren jeweiligen Leistungen nach an einer Pinnwand angeordnet. Der Schüler hatte seinen Namen im hinteren Drittel wiedergefunden und befürchtet, er könnte es nicht auf das Gymnasium schaffen.

Daraufhin wurde die frühe Segregation des dreigliedrigen Schulsystems von Publikum und Podium hitzig diskutiert. In diesem Zusammenhang plädierte Robert Rauh (Lehrer des Jahres und Mitglied der Initiative SchulGerecht) für eine Beibehaltung des Gymnasiums, um ein besonderes Angebot schaffen zu können, etwa für Jugendliche, die alte Sprachen lernen möchten. Auch Prof. Dr. Felicitas Thiel (Freie Universität Berlin) bemerkte, dass es eine starke Nachfrage nach dem Gymnasium gäbe und eine Abschaffung daher wenig zielführend sei. Dem wurde vom Publikum widersprochen, denn aus Sicht der Teilnehmer_innen führe die Segregation zu sozialer Ausgrenzung und verringere Bildungschancen.

Die Zeit verging wie im Flug und so schloss die Konferenz zwar reich an Kritik, Ideen und Anstößen, jedoch ohne das Gefühl, passende Antworten gefunden zu haben. Zu einem echten Austausch mit den Podiumsgästen über die Ergebnisse der Zukunftswerkstätten kam es am Ende nicht. Dass es weitere Veranstaltungen dieser Art geben sollte – darin waren sich alle Teilnehmer_innen einig. Vielleicht kommt der nächste Junge Bildungskongress den passenden Antworten ein Stück näher.

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