Fürs Leben lernen. Ein Rückblick auf die Zukunftswerkstatt „Weiterbildung/Lebenslanges Lernen“

Teilnehmende einer Zukunftswerkstatt. Foto: junge Pressegruppe / Was bildet ihr uns ein?

Teilnehmende einer Zukunftswerkstatt. Foto: junge Pressegruppe / Was bildet ihr uns ein?

Die Bildungsrevolution muss sich nicht auf Menschen unter 30 beschränken. Wir brauchen eine Gesellschaft, in der Weiterbildung und Lebenslanges Lernen für alle möglich und selbstverständlich ist. Wege dahin zeigt die Zukunftswerkstatt „Weiterbildung/Lebenlanges Lernen“,  von der unsere Berichterstatterin berichtet.

Die Vorstellungsrunde war fast durch, da kam Henry, ein 72-jähriger Rentner, zu Wort: „Ich bin von Natur aus neugierig und gehe gerne in Vorlesungen der Humboldt-Uni – um meinen Geist fit zu halten und Neues dazuzulernen. Vor Kurzem saß ich in einer Chemievorlesung und wurde ohne Grund rausgeschmissen. Dem Dozenten hatte wohl mein langer Bart nicht gefallen.“ Die Runde lacht. Was er eigentlich sagen wollte, war, „darf ich als Senior keine Lust mehr am Lernen haben? Bedeutet Rente gleich Schluss mit Wissenserwerb?“

Schluss mit Lebenslauf-Tuning

Die Teilnehmerrunde war gut durchmischt, die Diskussionsfreude groß, denn schließlich gab es Einiges zu kritisieren: Sollten wir überhaupt lebenslang lernen und uns weiterbilden? Stehen wir ein Leben lang nicht schon genügend unter dem Druck, immer besser sein zu müssen als andere? Bin ich gut genug? Spreche ich genügend Sprachen? Und was bitte sind „Soft Skills“?

In der Zukunftswerkstatt „Weiterbildung/Lebenslanges Lernen“ sollten eben solche Themen diskutiert und Lösungsansätze erarbeitet werden. Anwesend waren „Bildungsbetroffene“ und Bildungsexpert_innen, wie die Juniorprofessorin Katrin Kaufmann und Dr. Sarah Widany, beide von der Freien Universität Berlin; Claudia Kulmus von der Berliner Humboldt Universität, und Ute Falkner vom Nachbarschaftsheim Neukölln. „Es ist schön, mal die Wissenschaft außen vor zu lassen und zu sehen, wie es in der Praxis ausschaut“, betonte Claudia Kulmus. „Den Druck rausnehmen,“ fordert Ute Falkner, „Lernen und Weiterbilden sollte Spaß machen. Die Persönlichkeitsentwicklung sollte im Vordergrund stehen und nicht die ökonomische Verwertbarkeit.“.

Geld und Zeit fehlen

Die Person, dass muss das Ziel sein, die sich weiterbilden will, soll die Gelegenheit dazu haben.  Doch die Praxis sieht leider oft anders aus: Was, wenn das Geld oder die nötige Zeit fehlt? Viele Weiterbildungskurse sind zudem nur auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet oder verlangen hohe Anmeldegebühren. Partizipation für alle! – das wünschen sich alle Teilnehmer_innen. „Wir brauchen mehr Verständnis für Lebensrealitäten.“, betont die Kongressteilnehmerin Cornelia Seiberl. Es müsse die Möglichkeit geben, einen freien (Weiter-)Bildungszugang auch der sozialschwachen Bevölkerung zu ermöglichen.

Ein Gesetz für Weiterbildung soll helfen

Schließlich sprachen sich die Teilnehmer_innen für ein Weiterbildungsgesetz und einen Weiterbildungsgipfel aus: Im Gesetz solle die Finanzierung und Organisierung des Weiterbildungssystems geregelt werden und durch den Gipfel ein breites Bündnis aller weiterbildungsrelevanten Akteure zur Vernetzung und zum Austausch stattfinden. Ein weiterer Vorschlag war der Weiterbildungskompass: eine Informationsplattform, die mehr Transparenz zu schaffen und Bürokratie abzubauen soll.

Ansätze wie diese klingen gut. Sie machen Sinn. Doch braucht es für all das ein stärkeres Bewusstsein in der Bevölkerung, dass Weiterbildung und lebenslanges Lernen wichtig sind.

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