„Man muss Strukturen aufbrechen zwischen Schule, Stadt und Wald!“

Die diesjährigen UN-Jugenddelegierten. Foto: Clara Woopen / Was bildet ihr uns ein?

Die diesjährigen UN-Jugenddelegierten. Foto: Clara Woopen / Was bildet ihr uns ein?

Die diesjährigen UN-Jugenddelegierten sind Celina Greppler und Ozan Solmus. Die beiden Studierenden sammeln auf einer Tour quer durch Deutschland Forderungen und Themen junger Menschen, die sie im September bei den Vereinten Nationen in New York vertreten wollen. Im Interview mit Clara Woopen erzählen sie, welche Themen vom Jungen Bildungskongress sie in die Welt tragen wollen.

Clara: Sind Jugendliche (laut UN: Menschen bis 25 Jahre) tatsächlich so politisch desinteressiert und egozentrisch, wie uns immer vorgeworfen wird?

Ozan: Nein, politisches Interesse macht man viel zu oft an Parteienzugehörigkeit fest. Wenn ein Jugendlicher nicht die neue Gesetzesauflage von letzter Woche kennt, ist er nicht politisch desinteressiert. Ich glaube, dass man den Begriff von Politik auflockern muss. Wenn man nach Arbeit in Kirchengemeinden oder bei den Pfadfindern fragt, wird man viele politische Jugendliche finden.

Celina: Jeder Mensch egal welchen Alters hat doch eine Vorstellung davon, in welchem Umfeld er leben möchte. Und in diesem Moment hat man eine Meinung, mit der man in Dialog tritt. In diesem Moment findet Politik schon statt.

clara_woopen[box style=“grey info rounded“ ]Clara Woopen (geb. 1994) studiert Geschichte und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. In ihrem Erasmus-Semester in Paris begegnete sie einem Bildungssystem, das besonders hierarchisch aufgebaut und auf die Vermittlung von vermeintlichen Fakten ausgerichtet ist. Ihre Schwierigkeiten in diesem System sensibilisierten sie für verschiedene Konzepte von Bildung. Clara unterstützte den Jungen Bildungskongress 2014 durch ihre Pressearbeit. [/box]

Clara: Was hat dich bisher auf deiner Deutschlandtour überrascht oder besonders gefreut?

Ozan: Ich treffe so viele junge Leute, die sich in der Jugendarbeit engagieren und eben ohne Parteifarbe sehr politisch aktiv sind und viele verschiedene Visionen haben. Ansonsten wirken viele junge Leute erst einmal eingeschüchtert bei dem Thema Politik, weil sie denken, nicht mitreden zu können, wenn sie nicht in einem parteipolitischen Verband sind. Diese Wertung könnte noch mehr aufgehoben werden.

Clara: Welche Themen nehmt ihr vom Jungen Bildungskongress mit in die Welt?

Celina: Zweierlei finde ich besonders spannend: Einerseits die Strukturen aufzubrechen zwischen Schule, Stadt und Wald oder Schule und Ehrenamt, aber auch zwischen Schüler_innen und Lehrer_innen. Im Grunde gibt es doch ganz viele, die lernen, die Schüler_innen wie die Lehrer_innen, und im Wald kann das genauso gut funktionieren wie in der Stadt oder in der Schule. Und andererseits ist mir die Wertschätzung von nicht wirtschaftlich orientierter Bildung wichtig.

Ozan: Genau! Gerade wird jungen Menschen von klein auf noch nahegelegt, doch den Mathe-LK zu belegen, weil der Arbeitsmarkt das verlangt. Aber wer zwar Mathe gut kann, nur einfach lieber Philosophie und Germanistik studieren möchte, sollte auch dazu ermuntert werden, anstatt das vielleicht überdurchschnittliche Talent in Mathe ausschöpfen zu müssen. Im Medizinstudium habe ich das Gefühl, dass einige meiner Kommiliton_innen vor allem mit Blick auf den Arbeitsmarkt studieren.

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