Schafft ein, zwei, viele Bildungsrevolutionen!

Revolution beginnt mit Vernetzung. Foto: Was bildet ihr uns ein? / Junge Pressegruppe

Revolution beginnt mit Vernetzung. Bildungsgestalter_innen auf dem Jungen Bildungskongress 2014 Foto: Livia Gerster / Was bildet ihr uns ein? 

Auf dem jungen Bildungskongress 2014 wurden nicht nur viele Ideen und Anregungen dafür hervorgebracht, wie man Bildung verändern kann. Er hat die Bildungsgestalter_innen von heute und morgen vernetzt und so einen Anstoß für eine langfristige Bildungsrevolution gegeben. Unsere Berichterstatterin Livia Gerster gibt einen Überblick über den ersten Tag.

Kommt die Bildungsrevolution?

„Achtung! Einsturzgefahr im Bildungssystem“ – mit dieser Warnung startete der Junge Bildungskongress 2014 am vergangenen Samstag in der evangelischen Schule Berlin-Zentrum. Soll das System vor dem Einsturz bewahrt werden, oder gleich ein ganz Neues her? Dies haben Schüler_innen, Student_innen, Lehrer_innen, Eltern und Expert_innen diskutiert. In  „Zukunftswerkstätten“ mit Fokus auf „Frühkindliche Bildung“, „Schule“ oder „Weiterbildung / Lebenslanges Lernen“ haben sie Erfahrungen und Ideen ausgetauscht. Zuerst galt es, Probleme zu benennen. In einem zweiten Schritt wurden wilde Utopien entworfen. Und zum Schluss dann: der Praxischeck. Wie können wir unsere Ideen umsetzen?

„Wir sind doch nur Hauptschüler“

Ins Leben gerufen hat den Kongress die Initiative „Was bildet Ihr uns ein?“. Sie will junge Menschen motivieren, das System zu verändern, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. „Wir hoffen, dass ihr später zu Bildungsgestalter_innen werdet!“, schließt Aktivistin Susanne Czaja ihre Begrüßungsrede. Dass das Bildungssystem reformiert werden muss, darin sind sich alle einig. Deshalb sind sie zum Kongress gekommen. Bettina Malter, die sich ebenfalls für die Initiative engagiert hat, erzählt von ihrem Schlüsselerlebnis: Wie sie Hauptschülern Nachhilfe gab, und wie die von vorneherein sagten: „Nee, Betti, das können wir nicht, wir sind doch nur Hauptschüler.“ Was das für ein Bildungssystem ist, das junge Menschen derart entmutigt, schienen sich außer Bettina auch andere zu fragen. Ein Gefühl des Widerwillens gegen dieses System – das schienen noch mehr zu hegen: Zu viel Leistungsdruck, zu viel Zwang, zu wenig individuelle Förderung.

livia_gerster[box style=“grey info rounded“ ] Livia Gerster (geb. 1990) studiert Globalgeschichte und Islamwissenschaften im Master an der Freien Universität Berlin. Als Schülerin engagierte sie sich in der SV für mehr Mitsprache der Schüler. Nach einem Austauschjahr in den USA fragte sie sich, wieso in Deutschland eigentlich so wenig gelobt wird. Während eines Praktikums lernte sie das deutsche Schulsystem später aus der anderen Perspektive kennen: Als Arabischlehrerin unterrichtete sie für sechs Monate an der deutschen Schule in Abu Dhabi. Dabei beobachtete sie, wie die Schule vielen Jugendlichen in der prägenden Phase zwischen 13 und 17 Spaß am Lernen und Selbstbewusstsein nimmt. Woran das liegt, und was man dagegen tun kann, das wollte sie auf dem Bildungskongress erfahren, über den sie hier im Rahmen der jungen Pressegruppe berichtet. [/box]

Erst Vernetzung, dann Revolution

Susanne, Bettina und andere junge Menschen haben sich deshalb zu der Initiative „Was bildet ihr uns ein?“ zusammengeschlossen. Vor drei Jahren bereit haben sie die Bildungsrevolution ausgerufen. Doch die blieb aus. „Es gibt viel Unmut über das Bildungssystem, und es gibt auch wahnsinnig viele Initiativen, die daran etwas ändern wollen“, sagt Markus Fischer vom Verein Presente, aber „die Vernetzung fehlt“. Daran wollte der Junge Bildungskongress 2014 etwas ändern. Und so brachte er Interessierte und Engagierte aus ganz Deutschland zusammen. Zwischen den Zukunftswerkstätten blieb genügend Zeit, sich kennenzulernen und Handynummern austauschen. Ein erster Schritt in Richtung Revolution? – Zumindest kennen sich die potentiellen Revolutionäre jetzt.

Ein Beitrag der Jungen Pressegruppe auf dem Bildungskongress 2014: Für den Jungen Bildungskongress 2014 wurde eine Junge Pressegruppe eingerichtet, die medieninteressierten jungen Menschen die Gelegenheit gab, die Themen des Kongresses journalistisch zu bearbeiten.

 

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