Hochschulräte – Wer bewacht die Hochschulbewacher?

Hochschulräte 2

Hochschulräte besser abschaffen?

 

Im ersten Beitrag wurden bereits die Ideen, die den Hochschulräten zugrunde liegen erläutert, und einige grundlegende Probleme angeschnitten. Hier wird insbesondere auf die Legitimität der Hochschulräte und auf die Besetzung dieser eingegangen. Lukas Daubner blickt am Ende darauf, wie es mit den Hochschulräten weitergehen soll.

Teil Zwei

Wie bereits im ersten Teil des Beitrags gesagt, stehen Hochschulräte häufig in der Kritik. Zum Beispiel bemängeln Kritiker_innen, dass diese nicht demokratisch legitimiert sind. Das heißt, dass es an einem Wahlverfahren fehlt, das die Räte beauftragt gewisse Entscheidungen zu treffen. Problematisch ist das, weil Hochschulräte Aufgaben übernehmen, die bisher die akademischen Senate übernommen haben. Diese sind demokratisch gewählt und alle Mitglieder der Hochschule sind dort vertreten [1].

Wie wird man Hochschulrätin?

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Frage, welche Personen in einem Hochschulrat sitzen dürfen. Warum jemand in dieses Gremium aufgenommen wird, ist von außen nicht nachzuvollziehen. In der Gesetzgebung ist davon die Rede, dass die Mitglieder erfahrende Personen sein sollen, die sich irgendwie mit der Hochschule verbunden fühlen. Ob diese Person auch für die wichtigen Entscheidungen und die Beratung der Hochschule befähigt ist, kann nicht überprüft werden. Damit ist dieses Verfahren ziemlich willkürlich.

In machen Bundesländern dürfen darüber hinaus nur Personen im Hochschulrat sitzen, die nicht von der Hochschule sind. In anderen ist vorgeschrieben, dass die Räte gemischt besetzt werden: eine Hälfte aus der Hochschule, die Andere von außerhalb.

Damit die externen Mitglieder genug Informationen bekommen, wird oft für eine gemischte Besetzung der Räte argumentiert. Diese ist deshalb sinnvoll, weil die Hochschulräte der meisten Hochschulen kein eigenes Personal haben. Daher müssen sie auf Informationen vertrauen, die ihnen das Rektorat bereitstellt. Da die Mitglieder oft vielbeschäftigte Personen sind und dadurch wenig Zeit haben sich ausreichend mit der Situation an ‚ihren‘ Hochschulen zu beschäftigen, können sie dann wenigstens von ihren hochschulinternen Kolleg_innen informiert werden.

Zusammenarbeit zwischen den Hochschulräten und den akademischen Senaten

Eigentlich wäre es gut, wenn die Hochschulräte gemeinsam mit dem akademischen Senat die zunehmend mächtiger werdenden Rektorate kontrollieren würden. Zwar gibt es einige Hochschulratsvorsitzende, die dafür sind mehr mit den Senaten und Ministerien zusammenzuarbeiten (vgl. Positionspapier Hochschulratsvorsitzende 2012). Ein zu enges Zusammenarbeiten wird aber kritisch gesehen.

Viele Hochschulräte wehren sich dagegen, dass der Senat Hochschulratsmitglieder absetzen können soll. Zurzeit wird außerdem diskutiert, wie viel Mitbestimmung der Senat beim Ernennen des Rektorats bekommen soll. Insbesondere bei rein extern besetzen Hochschulräten ist dieses Verfahren ratsam. So können die Mitglieder der Hochschulen wenigstens teilweise beeinflussen, wer ihr Rektor oder ihre Rektorin wird.

Auskunftspflicht jetzt!

Neben der intransparenten Besetzung ist die fehlende Pflicht der Räte, Auskunft über ihre Entscheidungen zu geben, ein Problem. Obwohl die Hochschulräte in den meisten Bundesländern Entscheidungen mit großer Reichweite für ‚ihre‘ Hochschulen treffen, müssen sie nicht erklären, warum sie so entschieden haben. In NRW wird zwar gerade darüber diskutiert, ob die Räte einen jährlichen Bericht über ihre Entscheidungen abliefern müssen. In den anderen Bundesländern wird es einen solchen Bericht aber erst mal nicht geben. Dabei wäre es aber enorm wichtig, dass Hochschulräte darlegen, wie ihre Entscheidungen dazu führen, dass die Bedingungen zum Lernen und Forschen besser werden.

Finanzkontrolle und Strategie. Brauchen wir dafür Hochschulräte?

Dass ein Finanzkontrolle an Hochschulen notwendig ist, steht außer Frage. Wie schmerzlich das Fehlen einer funktionierenden Kontrolle ist, kann zurzeit an der Humboldt Universität zu Berlin beobachtet werden (wo war eigentlich hier der Hochschulrat?). Ob diese wichtige Funktion aber von einem sich selten treffenden, ehrenamtlich besetzten Gremium übernommen werden kann, das seine Informationen von den zu überwachenden Rektoraten bekommt, ist mehr als zweifelhaft.

Neben der Finanzkontrolle sollen Hochschulräte die Hochschulen darin unterstützen, strategisch handlungsfähig zu sein. Auch hier bestehen aber die selben Schwierigkeiten: Wie sollen – je nach Bundesland – sechs bis elf Personen, die sich durchschnittlich vier Mal im Jahr treffen und wenig Ahnung von den jeweilige Hochschule haben, für diese eine sinnvolle Strategie entwickeln?

Es bleiben zwei Möglichkeiten: Auflösen oder Ausbauen der Räte

Wie hier kurz dargestellt wird, werden die beiden Kernaufgaben der Hochschulräte zum Teil nur mangelhaft ausgeführt. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen:

Erstens, die Räte werden wieder abgeschafft. Die Kontrolle der Finanzen kann auch von Mitgliedern des akademischen Senats in Zusammenarbeit mit einer staatlich anerkannten Rechnungsstelle übernommen werden. Um die strategische Ausrichtung zu diskutieren und zu planen könnte ein Gremium bestehend aus Vertreter_innen des Senats, Rektorats, dem Mittelbau und der Studierendenschaft geschaffen werden.

Oder zweitens, die Hochschulräte werden, ähnlich wie in den USA, mit mehr Personal ausgestattet und zum Teil hauptamtlich ausgeführt. Dadurch wären sie nicht mehr nur auf Informationen aus dem Rektorat angewiesen und könnte diese ernsthaft kontrollieren. Der Rat hätte einen festen Platz in der Hochschule und wäre für alle ansprechbar. Außerdem könnte er gemeinsam mit den anderen wichtigen Gremien die strategische Ausrichtung der Hochschule bestimmen und das Rektorat berufen. Ob eine solche Entwicklung wünschenswert ist, müsste an anderer Stelle diskutiert werden. Die Frage der Legitimität ist in diesem Fall allerdings auch nicht geklärt.

Die Parole mehr Effizienz, mehr Strategie (was meistens mit Profilbildung [2] übersetzt wird) und höherer Einsatz von Drittmitteln [3]wird gebetsmühlenartig wiederholt, eine Erklärung wie so Lehre und Forschung verbessert werden kann, bleiben die meisten Akteure schuldig. Genau das müssten die Hochschulräte aber eigentlich sicherstellen.

Sollte sich herausstellen, dass sie vor allem die Löhne von Rektor_innen erhöhen (Lieb 2014) wird es Zeit, sowohl auf Ebene der Landespolitik, aber auch an den Hochschulen selbst, zu überlegen, ob Hochschulräte wirklich benötigt werden.

Literatur

Bogumil, Jörg et al. 2007. Hochschulräte als neues Steuerungsinstrument? Eine empirische Analyse der Mitglieder und Aufgabenbereiche – Abschlussbericht der Kurzstudie. Im Auftrag der Hans-Böckler Stiftung.

Bogumil, Jörg et al. 2013. Zwischen Selbstverwaltungs- und Managementmodell. In: Edgar Grande et al. (Hg.) Neue Governance der Wissenschaft. Bielefeld: transcirpt.

Brunsson, Nils & Kerstin Sahlin Andersen (2000). Constructing Organizations: The Example of Social Sector Reforms. In: Organization Studies, 21(4), pp. 721-746.

Lieb, Wolfgang 2014. Akademischer Kapitalismus – Rektoren lassen sich von den Hochschulräten Managergehälter genehmigen.     http://www.nachdenkseiten.de/?p=20753

Positionspapier der Vorsitzenden deutscher Hochschulräte 2012. Hochschulräte als Organe einer autonomen Hochschule.

[1] Zwar sind die Professor_innen in der Überzahl, aber immerhin.

[2] Profilbildung bedeutet, dass nicht alle Hochschulen alle Studienfächer und Forschungsbereiche abdecken sollen, sondern die (wie auch immer ermittelten) stärksten Bereiche noch weiter gestärkt werden, schwächere Bereiche dagegen abgebaut werden. Das Thema ist delikat. Macht es auf der einen Seite (vor allem für die Forschung) sind, Ressourcen zu binden und (forschungs)schwache Einrichtungen, bzw. Bereiche zu schließen, besteht auf der anderen Seite die Gefahr, dass insbesondere solche geschlossen werden, die wenig Drittmittel einwerben und den Hochschulen keinen finanziellen Mehrwert bringen. Das würde dann besonders die Geistes- und Sozialwissenschaften sowie musische und künstlerische Fächer betreffen. Diese ganze Thematik bedarf eines eigenen Artikels, um ausreichend behandelt zu werden.

[3] Gelder, die sich die Forscherinnen und Forscher aus anderen Quellen, als von der Hochschule, besorgen müssen. Da die Hochschulen meistens zu wenig Geld von den Bundesländern bekommen, werden diese zusätzlichen Mittel immer wichtiger. Allerdings können die Geldgeber oft beeinflussen, in welche Richtung Forschung gehen soll. Ein weiteres Problem ist, das Forscherinnen und Forscher viel Zeit dafür verwenden müssen, diese Gelder einzuwerben und nicht ihrem eigentlichen Job, dem forschen, nachgehen können.

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