Bildung mitgestalten

Die einzige Möglichkeit zur Mitgestaltung? Foto: hey.pictrues/Flickr

Die Gesellschaft wird immer demokratischer, doch im Bildungssystem können die unmittelbar Betroffenen meist nicht mitreden. Welche Vorschläge die Parteien machen, um das zu verändern, erfahrt ihr in unserem vierten und letzten Teil der Wahlprüfsteine.

Bei der Schulentwicklung müssen alle mitmachen – und zwar gern!

Frage: Wie können Ihrer Meinung nach bei Veränderungen des Schulbetriebs (z. B. mehr fachübergreifender Unterricht) die Lehrkräfte motivierend einbezogen werden? Wie könnte man die Begleitung solcher Veränderungen finanzieren?

Die CDU/CSU meint, „Motivation entsteht nicht nur durch Geld, sondern auch durch Freiheit“. Sie möchten den Schulen weitreichende Autonomie geben und vertrauen darauf, dass „diese die Motivation der Beteiligten und die Qualität des Unterrichts insgesamt steigern werden“.

Die SPD möchte vor allem die Eltern stärker in die Bildungserfolge ihrer Kinder mit einbeziehen. Dies spielt für sie insbesondere beim quantitativen und qualitativen Ausbau von Ganztagsschulen eine Rolle, in denen unter anderem auch Schüler_innen stärker einbezogen werden sollen.

Die FDP setzt auf die Eigenverantwortung der Schulen und die Beteiligung aller Betroffenen an Entscheidungen der Schule.

DIE LINKE meint, dass Bildungsprozesse „demokratische Mitwirkung und Mitentscheidung ermöglichen“ müssen. Sie möchte allen an Bildung Beteiligten Mitsprachemöglichkeiten einräumen: “Wege, solche Entscheidungsprozesse möglich zu machen, sind die paritätische Zusammensetzung von Konferenzen, die Wählbarkeit von Schulleitungen, die Mitsprache bei der Stoffauswahl im Rahmen geltender Bildungsstandards, die offene Arbeit in Lernprozessen und die Einbeziehung von demokratisch gewählten Vertretungen der Lernenden, der Lehrenden und der Eltern.“ Die Einführung soll durch ein Bund-Länder-Programm finanziert werden.

Die GRÜNEN wollen Schulentwicklung nicht verordnen, sondern „laden Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler ein, sich gemeinsam auf den Weg zu machen hin zu besseren Schulen“.

Was bildet ihr uns ein? meint: Die Schule muss sich stetig an die Umstände der Zeit anpassen und befindet sich ständig in Veränderung. Diese Veränderungen sind für alle Beteiligten ein anstrengender Prozess. Deswegen ist es besonders wichtig, dass Schulen immer wieder externe Begleiter und Veränderungsmanager heranziehen können, die den Prozess strukturieren und die Bedürfnisse aller Beteiligten einbeziehen können. Denn nur wenn alle mitziehen, kann Schulentwicklung nachhaltig und von allen akzeptiert gelingen. Es müssen auch Mechanismen der dauerhaften Beteiligung gefunden werden, denn die vom Bildungssystem Betroffenen wissen oft am besten, wo es hakt und wie dies verändert werden kann.

Es geht um uns, also lasst uns mitreden!

Frage: Welche Wege könnte es für Jugendliche und junge Erwachsene geben, um bei ihrer Bildung stärker mitzuentscheiden und mitzugestalten? Und wie sieht das bei gesellschaftlichen Belangen außerhalb der Schule aus?

CDU/CSU verweisen auf bereits bestehende Beteiligungsmöglichkeiten und auf die Wichtigkeit lokaler Bürgerinitiativen, die in praktischen Bildungsfragen engagiert sind. Weitergehende Vorstellungen und Vorschläge fehlen.

Die SPD möchte die Gesellschaft weiter demokratisieren. Menschen sollen dort beteiligt werden, wo sie von Entscheidungen betroffen sind – auch Kinder und Jugendliche. Deshalb möchte sie „die demokratische Mitbestimmung in Kitas, Schulen, Hochschulen und Ausbildungsbetrieben stärken“. Sie plant zudem, die Beteiligung im gesamten Bildungssystem zu stärken und das Wahlalter für alle Wahlen auf 16 abzusenken. Demokratie- und Gesellschaftserziehung soll wieder fester Bestandteil des Schulunterrichts werden. Zivilgesellschaftliches Engagement möchte die SPD dauerhaft stärken.

Die FDP verweist auf bestehende Möglichkeiten der Partizipation, etwa in Schulkonferenzen. Auch das Baugesetzbuch und das Patientenrechtegesetz liefern ihrer Meinung nach gute Beispiele für die gestärkten Partizipationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus „geht es darum, die Lernprozesse an Schulen so zu reformieren, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Lernprozesse möglichst selbst bestimmt gestalten können“.

DIE LINKEkämpft für die Demokratisierung aller gesellschaftlichen Teilbereiche“. Im Bildungssystem möchte sie die Rechte der Schülervertretungen auf allen Ebenen stärken. Schüler_innen sollen ihre Lernprozesse individuell mitgestalten können, ihnen soll eine Mitverantwortung daran gegeben werden.

Die GRÜNEN sehen es als erwünscht an, dass Schüler_innen und Studierende sich einmischen. Sie fordern eine „Kooperationskultur auf Augenhöhe mit anderen pädagogischen oder außerschulischen Einrichtungen“. Daneben sollen Schüler_innen und Studierende „durch selbstverwaltete Strukturen wie Schülervertretungen oder verfasste Studierendenschaften vertreten werden“.

Was bildet ihr uns ein? meint: Betroffene zu beteiligen, gehört zu einer modernen Gesellschaft dazu. Sie wissen genau, welche Probleme bestehen und haben oft gute Ideen zur Veränderung. Dies zeigt auch unser Film zur Ganzstagsschulsituation aus Sicht der Schüler_innen in Berlin. Dies trifft auch auf das Bildungssystem zu, in dem die junge Generation meist kaum ernst genommen wird. Aber nur mit einer dauerhaften Beteiligung kann das Bildungssystem zukunftssicher gestaltet werden. Und: Nur durch eigene Beteiligung können junge Menschen Demokratie lernen. So trägt eine Demokratisierung des Bildungssystems auch zu einer demokratischeren Gesellschaft bei.

 

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