Lehrerausbildung reformieren

Foto: loop_oh/Flickr

Lehrer_innen unterrichten die jungen Erwachsenen von morgen, trotzdem läuft die Lehramtsausbildung an den Universitäten oft nur nebenher. Welche Vorschläge die Parteien für eine Reform der Lehramtsausbildung haben, auch mit Blick auf die zunehmende kulturelle Diversität in unserem Land, erfahrt ihr in unserem zweiten Teil der Wahlprüfsteine.

Für unsere Generation ist Vielfalt und kulturelle Diversität Realität!

Frage: Wie ist Ihre Meinung zum gleichberechtigten Erwerb der Herkunfts- bzw. Familiensprache in der Schule? Sollte die Auseinandersetzung mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) verbindlicher Teil des Lehramtsstudiums sein?

Die LINKE möchte das Bildungssystem so verändern, dass Vielfalt der Herkunft und des kulturellen Hintergrunds als Chance begriffen wird. Besondere Fähigkeiten wie Zweisprachigkeit wollen sie gezielt fördern. Deutsch als Zweitsprache soll auch ins Lehramtsstudium integriert werden.

CDU/CSU erachtet die Unterrichtsqualität als wichtigsten Bildungsfaktor überhaupt. Der Lehramtsausbildung kommt eine zentrale Bedeutung zu. Dazu gehört auch eine angemessene Vorbereitung auf den Umgang mit Kindern, die Deutsch als Zweitsprache lernen.

Die FDP setzt sich „bei allen Kindern für eine frühe Sprachstandserhebung und gezielte Sprachfördermaßnahmen, gerade auch im Vorschulalter“ ein. Sie will zusätzliche Fremdsprachenangebote fördern und unterstützt die Etablierung von Deutsch als Zweitsprache im Lehramtsstudium.

Die GRÜNEN sehen Mehrsprachigkeit als wichtige und förderungswürdige Kompetenz an. Nicht-deutsche Familiensprachen sollen bei Bedarf als regulärer Fremdsprachenunterricht angeboten werden. Daneben setzen auch sie sich dafür ein, dass Lehrkräfte Kompetenzen in Deutsch als Zweitsprache vermittelt bekommen.

Die SPD sieht „in der natürlichen Zwei- oder Mehrsprachigkeit ein wichtiges Potenzial“, das ebenso wie Deutschkenntnisse gefördert werden sollte: „Dafür müssen auch die Lehrkräfte in ihrer Ausbildung befähigt werden.“

Was bildet ihr uns ein? meint: Gleiche Bildungschancen zu ermöglichen und Vielfältigkeit wertzuschätzen ist eine zentrale Aufgabe des Bildungssystems. Dies sollte u.a. durch eine integrierte Sprachförderung im Fachunterricht für alle Jahrgangsstufen und im Bereich der frühkindlichen Bildung ermöglicht werden. Hierfür müssen Lehrkräfte angemessen qualifiziert werden. Daneben sollten alle Schüler_innen einen Rechtsanspruch besitzen, in der Schule ihre Herkunfts- bzw. Familiensprache zu erlernen, die als zusätzliche Kompetenz gewürdigt und bescheinigt wird.

Auch für die Schule lernen wir!

Frage: Welche Bestandteile sollten Ihrer Meinung nach ins Lehramtsstudium aufgenommen werden, um den mangelnden Praxisbezug („Das habe ich in der Uni gar nicht gehabt und soll es nun unterrichten…“) aufzuheben? Wie stehen Sie zum Verhältnis von fachlicher, fachdidaktischer und didaktischer Ausbildung der Lehrkräfte?

Die CDU/CSU verweist auf die Kompetenz der Länder und Hochschulen und auf die von ihr gestartete „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“, mit der sie „Entwicklung und Implementierung moderner, praxisnaher Lehrerbildungskonzepte fördern und durch Qualitätsangleichung die Voraussetzungen für die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse schaffen.“

Die SPD sieht eine „Schlüsselfunktion im gesamten Bildungs- und Ausbildungssystem“ der Lehrerbildung für „nachhaltige Bildungsqualität, mit sozialer Durchlässigkeit und mit Inklusion und Partizipation“. Sie will den Stellenwert der Lehrerausbildung an Universitäten stärken und Angebote zur Lehrerfortbildung ausbauen. Die Lehrerbildung soll dabei in enger Kopplung mit der Wissenschaft flächendeckend weiterentwickelt werden. Frühzeitige Praxiserfahrungen sollen das Studium erweitern.

Die FDP verweist ebenfalls auf die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“, die u.a. vorsieht, die Kooperation zwischen Schulen und Hochschulen zu verstärken und „eine frühe und systematische Praxisanbindung bei der Lehrerausbildung zu gewährleisten“.

Die LINKE fordert eine Angleichung der Lehrerausbildung zwischen den Ländern, die ihrer Meinung nach „praxisnah erfolgen und v.a. an den Anforderungen inklusiver Bildung ausgerichtet“ sein muss. Sie fordert eine schulformunabhängige, schulformübergreifende Lehrerausbildung in der Sekundarstufe, welche auch den Umgang mit heterogenen Lerngruppen und einer interkulturell zusammengesetzten Schülerschaft vermittelt und individualisiertes Lernen in den Mittelpunkt rückt. Auch sie möchte schulpraktische Anteile im Studium erhöhen.

Die Grünen wollen eine „umfassendere Lehrerausbildung mit gleicher Studiendauer für alle Schularten“. Eine zentrale Forderung ist die „Schaffung von Orten, die an den Hochschulen die Lehrerbildung organisieren und dafür sorgen, dass das Studium wirklich auf den Beruf des Lehrers vorbereitet“.

Was bildet ihr uns ein? meint: Lehrer_innen bereiten jede neue Generation auf das Leben vor. Gleichwohl läuft die Lehramtsausbildung bisher an den Universitäten nebenher. Lehramtsstudierende brauchen aber eigene Veranstaltungen, in denen das Fachliche immer im Schulkontext mitgedacht wird. Im Lehramtsstudium sollte die psychologisch-diagnostische Ausbildung einen größeren Stellenwert bekommen, um jeder/m einzelnen Schüler_in als Individuum gerecht zu werden. Außerdem sollten mehr praxisbezogene Veranstaltungen vorgeschrieben sein, ohne allerdings die Studierenden als „Vertretungslehrer_innen“ zu missbrauchen und zu überlasten.

 

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