Darf Schulbildung etwas kosten?

Foto: Michael Panse//Flickr

Unsere Follower_innen sind sich einig, dass Bildung vom Staat bezahlt werden muss, und hatten kreative Ideen: Via Crowdfunding können Schulen einzelne Projekte bezahlen, Schüler_innen-BaföG für alle ermöglicht mehr Bildungsgerechtigkeit. Eine kleine Umfrage.

In allen deutschen Bundesländern gilt seit Anfang der 1970er flächendeckend das Prinzip der Lehr- bzw. Lernmittelfreiheit. Dahinter steckt der Wunsch, Bildungserfolge unabhängig vom Einkommen der Eltern zu ermöglichen.

Wie gestaltet sich die Lernmittelfreiheit im täglichen Schulgeschäft? Viele Bücher können ausgeliehen werden, es gibt Lernmittelgutscheine für bedürftige Familien, aber der Staat rechnet auch mit 40 Euro Leihgebühr für Bücher in Bayern, in Hamburg sind es sogar bis zu 100 Euro. Das obligatorische Kopiergeld, Kosten für Lernmittel mit „geringem Wert“ wie Füller, Hefte, usw., Hilfsmittel wie Taschenrechner, Atlanten und berufliche Fachbücher an Berufsschulen kommen häufig hinzu. Für viele Eltern sind diese Kosten eine wirkliche Belastung.

Auch andere Stimmen sind zu hören, wenn es um die Finanzierung von Schule geht. Bildungskosten entstehen natürlicherweise durch Ressourcenverbrauch, den Lernende verursachen. Diese Lernenden, die von ihrer Bildung später einmal profitieren, müssen auch etwas für diese Dienstleistung zahlen.

Wir haben per Facebook gefragt: Darf Schulbildung etwas kosten? – und interessante Antworten erhalten. Unsere Follower_innen sind sich einig, dass Bildung vom Staat bezahlt werden muss, und hatten kreative Ideen: Via Crowdfunding können Schulen einzelne Projekte bezahlen, Schüler_innen-BaföG für alle ermöglicht mehr Bildungsgerechtigkeit.

Sophie: „Klar muss Bildung was kosten. Die Frage ist, wer die Kosten trägt. Wir bezahlen ohnehin schon alle per Steuern. Meiner Ansicht nach gibt es keine gerechtere Methode als Steuerfinanzierung. Denn Bildung geht uns alle an, nicht nur Eltern. Für kleine, Lokale Bedürfnisse oder Engpässe tut’s vielleicht auch Crowdfunding. Das geht aber nur, wenn die Grundkosten gedeckt sind. Wenn es Grundrecht auf Bildung gibt, dann muss es auch von allen getragen werden. Alles andere wäre ungerecht und unplanbar.“

Veronika: „Natürlich darf Bildung nichts kosten. Bildung ist ein Grundrecht! Weitere finanzielle Belastung steht z.B Menschen mit sozial schwachem Hintergrund im Weg und erschwert den Alltag noch mehr. Zu den Problemen, die Menschen ohne oder mit schlechtem Einkommen sowieso schon haben. Wenn ich mal hochrechne, dass in der Oberstufe mit Buskosten, Kosten für Lektüren und allen weiteren Ausgaben rund 500€ pro Semester (!) zusammen kommen, erschüttert mich der Gedanken, zu wissen, dass es sicherlich weitaus begabtere SchülerInnen gibt, deren Eltern sich das nur lediglich nicht leisten können. Die Kluft zwischen arm und reich, „Opfer“ im Bildungssystem und „BildungsgewinnerInnen“ steigt. Die Bildungsgerechtigkeit spitzt sich zu und Chancenungleichheit/-ungerechtigkeit ist vorprogrammiert. Ein klares Ja zu Kostenfreiheit! Aber wiederum ein klares Ja zu Ausgaben im Bildungsbereich vonseiten des Staates, da Bildung an sich einfach unser kostbarstes und wertvollstes Gut ist!“

Tabea: „Ich denke, gerade bei der Schulbildung sollte der Staat versuchen, den Eltern und SchülerInnen so wenig Kosten wie möglich aufzuhalsen, damit möglichst wenige Hürden für Geringverdienende und Kinder aus sozial schwachen Milieus entstehen. Ein Problem bei der Lernmittelfreiheit scheint ja zu sein, dass die Gestaltung Ländersache ist und es zudem von Bildungseinrichtung zu Bildungseinrichtung wiederum unterschiedlich gehalten wird. Wie wäre es mit SchülerInnen-BAföG für alle? Hierbei gäbe es eine steuerliche Umverteilung, es läge allerdings in den Händen der SchülerInnen/Eltern, wofür dieses Geld ausgegeben würde, es könnte leichter für individuelle (Lern-)Bedürfnisse ausgegeben werden. Gleichzeitig käme es nicht mehr so sehr auf die Eltern an, wie bisher.“

Achim: „Ein schlauer Staat investiert in seine Ressourcen und dazu gehört die Bildung seiner Bevölkerung. Anschließend profitiert der Staat davon, weil seine Wirtschaft und Forschung davon profitiert. Wenn man finanzielle Hürden schafft und Bevölkerungsteile ausgrenzt, verschlechtert man die Qualität seiner Ressource und damit sein „Produkt“. Deswegen kann ich unsere lieben Parteien nicht verstehen, die sich Wirtschaftsachverstand auf die Fahne schreiben, aber die Bildung verteuern wollen.“