Abi-Prüfung: „Wir waren geschockt“

Karolina Tailor protestiert gegen Mathe-Abi-Prüfung

Karolina Tailor schrieb kürzlich ihre Abiprüfung in Mathe. Jetzt protestiert sie in NRW.

In Nordrhein-Westfalen fordern Schüler_innen die Mathe-Abiprüfung wiederholen zu können und eröffnen eine Facebook-Protestgruppe. Innerhalb weniger Tage traten über 10.000 Personen ihrer Gruppe bei. Inzwischen geht es ihnen um mehr als Mathe: Sie wollen keine Versuchskaninchen der Politik mehr sein. Ein Interview mit der Schülerin Karolina Tailor.

Wbiue?: Heute um 12:00 Uhr demonstriert ihr vor Sylvia Löhrmanns Büro, der NRW-Ministerin für Schule und Weiterbildung. Eure Forderung ist, eure Mathe-Abi-Prüfung noch einmal schreiben zu dürfen. Was ist da bei der Klausur schief gegangen?

Karolina Tailor: Als wir die Bögen der Mathe-Klausur aufgemacht haben, waren wir alle ziemlich geschockt. Die Klausur war völlig anders, als wir sie uns vorgestellt hatten. Dann haben wir erst einmal versucht das Beste daraus zu machen, aber nach der Klausur ging die Diskussion los. Jeder war der Meinung, dass es sehr schwer war.

Wbiue?: Was genau war denn zu schwer?

Karolina Tailor, deren Nachname eigentlich anders lautet, ist 19 Jahre alt und hat gerade vor wenigen Tagen ihre Mathe-Abiturprüfung geschrieben. Jetzt organisiert sie den Protest in Nordrhein-Westfalen mit. Am liebsten würde sie Biologie studieren.

Karolina Tailor: Eigentlich alles. Die Klausuraufgaben waren viel schwerer, als die Aufgaben, die wir im Unterricht behandelt hatten. Wir haben zum Beispiel immer mit einer e-Funktion gerechnet und in der Abi-Prüfung sollten wir zwei e-Funktionen lösen. Aber nicht nur der Mathe-Grundkurs, in dem ich bin, hatte Schwierigkeiten. Meine Mitschüler_innen aus dem Leistungskurs fanden die Aufgaben nicht lösbar – das haben sogar die besten Schüler_innen gesagt.

Wbiue?: Und wie ging es nach der Klausur weiter?

Karolina Tailor: Alle haben sich direkt Sorgen um ihre Note gemacht. Wir müssen fest damit rechnen, die Nachprüfung zu machen, weil wir überhaupt nicht mit den Aufgaben zurecht kamen. Dann haben wir in unserer Schulgruppe auf  Facebook überlegt, was wir jetzt tun. Wir waren uns einig, dass unsere Prüfung nicht gerecht war. Die Klausuren aus den letzten Jahren waren einfacher. Warum waren sie bei uns so schwer?

Wbiue?: Dann habt ihr die Facebook-Gruppe „Protest gegen Mathe Abiturklausur ´13“ gegründet.

Karolina Tailor: Das war die Idee unserer Stufe. Diese Aktion hat sich so schnell herumgesprochen, sodass wir nach nicht einmal einer Woche etwa 10.000 Mitglieder hatten. Das hätte ich niemals gedacht.

Wbiue?: Kannst du beschreiben, was in der Gruppe diskutiert wurde?

Karolina Tailor: Ganz am Anfang wurde nur über die Mathe-Prüfung diskutiert. Es sind Klausuren nachgestellt worden, eben die Sachen, an die man sich erinnern konnte. Inzwischen geht es auch um andere politische Themen, wie G8 und G9, zu wenig Studienplätze. Es kann doch nicht sein, dass wir Versuchskaninchen sind und unter den Entscheidungen der Politik leiden müssen. Das sehen aber nicht alle so.

Wbiue?: Das heißt?

Karolina Tailor: In der Facebook-Protestgruppe gab es Leute, die sich gegen unser Projekt stellten. Es gab einzelne Stimmen, die meinten, wir übertreiben und seien lächerlich. Ich habe über Facebook sogar private Nachrichten mit Beleidigungen bekommen. Da fühlt man sich angegriffen, aber wir lassen uns davon nicht abhalten.

Wbiue?: Warst du vorher schon politisch aktiv?

Karolina Tailor: Nein, war ich nicht. Daher finde ich es jetzt besonders spannend, mich für die Rechte der Schüler_innen einzusetzen. Eben nicht nur im Hintergrund zu sitzen und alles in der Zeitung zu lesen, sondern selber aktiv teilzunehmen. Und dass so viele mitmachen, motiviert uns als Gruppe sehr.

Wbiue?: Vor der Demonstration habt ihr schon E-Mails ans Schulministerium geschickt und eine Petition gestartet. Gestern habt ihr auch dazu aufgerufen beim Ministerium anzurufen. Was hast du da gesagt?

Karolina Tailor: Ich bin nicht durchgekommen. Es war die ganze Zeit besetzt. (lacht)

Das Interview führte Bettina Malter.

 

 

Unter dem #fairesAbiturNRW könnt ihr verfolgen, was heute auf der Demonstration passiert.

 

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