Im Gespräch mit … Özcan Mutlu (Bündnis 90/Die Grünen)

Özcan Mutlu Grüne

Foto: © Wbiue?

Reaktionen auf unsere Brief gab es von dem Abgeordneten Özcan Mutlu. Er ist bildungspolitischen Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin und hat unsere und eure Facebookfragen beantwortet.

Wbiue?: Herr Mutlu, was fanden Sie an ihrer eigenen Schulzeit gut?

Mutlu: Als ich in den frühen 1980er Jahren als Gastarbeiterkind zur Schule gegangen bin, hatte ich am Anfang große Probleme, weil ich die Sprache nicht gut beherrschte. Ich hatte das Glück, dass ich ein zwei gute Lehrer_innen hatte, die mir die Hand gereicht und den Weg geebnet haben, sodass ich heute vor euch stehen kann. Nur durch den Einsatz dieser Lehrer_innen konnte ich vom Gastarbeiterkind zum Diplomingenieur werden.

Wbiue?: Bitte beenden Sie diesen Satz: Gute Bildung bedeutet, …

Mutlu: … dass jedes Kind, egal wo seine Eltern herkommen, welcher sozialen Schicht sie angehören, bestmöglich gefördert wird. Das hochbegabte Kind genauso wie das Kind, das Lernschwächen hat. Ich fordere deshalb, dass alle Schulen gute Bildung bieten sollen.

Wbiue?: Wenn Sie Bundesbildungsminister wären, was würden Sie als erstes anpacken?

Mutlu: Ich würde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass einerseits das leidige Kooperationsverbot aufgehoben wird, andererseits die vielen verschiedenen Sonderprogramme, die es derzeit gibt, abgeschafft werden und das ganze Geld aus diesen Programmen zielgerichtet vor Ort in den Schulen und Kitas investiert wird, damit wir tatsächlich einen Qualitätssprung machen können.

Wbiue?: Auf Facebook haben wir angekündigt, dass wir uns mit Ihnen treffen und zu Fragen aufgerufen. Zwei Fragen wurden uns mit auf den Weg gegeben. Die erste: Die Grünen fallen in Berlin positiv durch parlamentarische Anfragen zu Bildungsthemen auf. Sie schaffen durch diese Anfragen eine Transparenz, die wir für wichtig und konstruktiv halten. Haben Sie Pläne/Vorschläge zum Ausbau dieser Transparenz?

Mutlu: Ich bin beeindruckt, dass die Leute mitbekommen, was wir tun. Wir wollen durch diese Anfragen auf Missstände aufmerksam machen und durch das gezielte Nachfragen auch in der Verwaltung Veränderungen anzustoßen. Als Abgeordneter ist es mir wichtig, dass die Bürger_innen wissen, was ich für sie tue. Auf meiner Website und meiner Facebookseite kann man immer aktuell verfolgen, welche Anfragen ich gestellt habe und wie diese beantwortet wurden. Auch auf parlament.berlin.de kann man alle Anfragen einsehen.

Wbiue?: Die zweite Facebookfrage lautet: Seitens der Elternschaft wurde vor Jahren eine neutrale Ombudsstelle für Schulprobleme gefordert – statt dessen richtete der Senat das Beschwerdemanagement ein. Halten Sie diesen Schritt für richtig, oder sollte er durch ein Konfliktmanagement abseits des geschlossenen Systems (Schule-Schulämter-BildungsSenat) ersetzt werden?

Mutlu: Ich fordere seit 13 Jahren im Abgeordnetenhaus eine neutrale Ombudsstelle für Schulprobleme von Senat, die auf Wunsch sogar anonym arbeitet. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Beschwerden unvoreingenommen bearbeitet werden. Die jetzige Beschwerdestelle ist sehr defensiv, anstatt offensiv an der Klärung und Transparenz zu arbeiten.

Das Interview führten Susanne Czaja, Rainald Manthe und Felix Deist.