Deutschland steckt im Stillstand

Grundschule, Timss, Iglu

Foto: © Bettina Malter

Die Studien TIMSS 2011 und IGLU 2011 beschreiben Deutschland wie wir es schon kennen: Die Schulen fördern die Kinder nicht ausreichend. Arbeiterkinder und Kinder mit Migrationshintergrund sind benachteiligt. Die Bildungswissenschaft versucht das schön zu reden.

Es sollte wohl eine positive Nachricht werden: Deutsche Grundschüler liegen im Rechnen und Lesen im oberen Drittel. So verlauten die Meldungen kurz nach der Präsentation der Ergebnisse der Studien IGLU 2011 und TIMSS 2011. Die Viertklässler erreichen in aktuellen Grundschultests Werte über dem OECD- und über dem EU-Durchschnitt. Endlich einmal etwas Positives aus dieser Bildungsrepublik im Schafspelz? Wohl kaum.

Der steigende Trend bei der Lesekompetenz, der von 2001 zu 2006 bei den Schüler_innen zu verzeichnen war, hat sich nicht fortgesetzt. Die Leseleistungen der Schüler sind im Jahr 2011 sogar rückläufig. Der „Mittelwert aus der Gesamtskala Lesen fällt 2011 […] signifikant niedriger aus als im Jahr 2006“, heißt es in den Ergebnissen.

Hinzu kommt: Die Gruppe der Risikoschüler ist gleich groß geblieben. Die Bildungswissenschaftler, welche die Studie verfasst haben, gehen davon aus, dass 15,4 Prozent der Schüler wegen ihrer mangelnden Leseleistungen Probleme in der Sekundarstufe I bekommen werden – und zwar in allen Fächern. In Mathematik werden ebenfalls 19,3 Prozent der Schüler in der Oberstufe Schwierigkeiten haben. Ähnliches gilt für die Naturwissenschaften. Die Schülergruppe, die durch ihre Leistungen hervor stechen, hat sich auch nicht vergrößert. Also oben und unten, alles beim Alten.

Die Studien TIMSS und IGLU machen zudem erneut auf ein lang bekanntes Problem aufmerksam: In Deutschland hängt der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft ab. Welch Überraschung. Es hat sich diesbezüglich laut den Studien seit 2001 nichts bewegt. Unverändert sind die Benachteiligungen von Arbeiterkindern und Kindern mit Migrationshintergrund. Und so bleibt es unverständlich, warum Studienleiter Wilfried Bos Kinder mit Migrationshintergrund als Bildungsgewinner bezeichnete. Zumal sie im Vergleich mit Kindern ohne Migrationshintergrund etwa ein Lernjahr zurückliegen. TIMSS und IGLU zeigen Stillstand. Und den brauchen wir nicht feiern.

 

Die genauen Ergebnisse der Studien TIMSS und IGLU.

 

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