„Eine Art Rainbow Warrior für die Bildungsveränderung“

Stiftung Bildung vor dem Brandenburter Tor

Die Stiftung Bildung wurde im September am Brandenburger Tor gegründet. Foto: © Stiftung Bildung

In Deutschland hat sich eine neue Stiftung mit dem Ziel gegründet, bürgerliches Engagement im Bildungsbereich zu stärken. Die zwei Vorstandsmitglieder Katja Hintze und Daniela von Treuenfels sprechen im Interview über die Idee der „Stiftung Bildung“, die Ziele und wie sie die junge Generation mit einbeziehen wollen.

Wbiue?: Heute erhalten Sie für die bundesweite Stiftung Bildung in Berlin offiziell die Anerkennungsurkunde von der Stiftungsaufsicht. Wie kommt man auf die Idee eine Stiftung Bildung zu gründen?

Katja Hintze Foto: © Stiftung Bildung

Hintze: Letztendlich ist die Stiftung Bildung eine strategische Entscheidung nach vielen Jahren im Ehrenamt. Es ist eine Konsequenz daraus, dass die ehrenamtlichen Strukturen das Bildungssystem extrem tragen, aber durch die föderale Struktur bisher keine Finanzierung aus Bundesmitteln bekommen hat, wie das analog andere Verbände bekommen. Wir hoffen, mit der Stiftung Bildung eine Art Rainbow Warrior für die Bildungsveränderung in Deutschland sein zu können.

Von Treuenfels: Ich war lange Elternvertreterin und habe die Qualität der Schule im Blick gehabt als ich mich der Stiftung Bildung anschloss. Qualitätsverbesserungen gestalten sich sehr langwierig. Das ist nichts für ungeduldige Menschen. Durch schlaue und schnelle Finanzierung kann man aber viel erreichen. Und dafür ist die Stiftung Bildung genau das richtige Werkzeug.

Wbiue?: Und wofür steht die Stiftung Bildung inhaltlich?

Von Treuenfels: Bei diesem Thema versuche ich ein bisschen Dogmatismus rauszunehmen. Natürlich haben wir persönlich politische Haltungen. Mein Wunsch ist aber, dass die Schulen das bekommen, was sie brauchen und wollen. Mir ist erst einmal egal, ob das jetzt eine Förderschule, ein Gymnasium oder eine Sekundarschule ist. Jede Schule hat eine Idee bzw. sollte sie haben, wie sie ihre Schüler_innen gut fördert. Und das ist ganz verschieden, je nach Standort..

Wbiue?: Aber haben Sie eine Vision, wie Sie sich Schule künftig vorstellen?

Daniela von Treuenfels Foto: © Stiftung Bildung

Von Treuenfels: Ideal ist die Entwicklung hin zu einer inklusiven Schule und Förderung eines jeden Einzelnen. Wenn man das alles zu Ende denkt, ist man konsequenterweise wahrscheinlich bei einer Gemeinschafsschule angelangt. Aber für die Stiftung Bildung geht es um die Hilfe für den Standort – direkt und ohne Umwege.

Wbiue?: Und wie könnte die Hilfe am Standort aussehen?

Hintze: Auf der Internetseite haben wir vorerst vier Schwerpunkte definiert, in welchen Bereichen Projekte nachher gefördert werden könnten. Diese weisen alle in Richtung Öffnung, Eigeninitiative, Selbstverantwortung jeder und jedes Einzelnen und Selbstständigkeit des Bildungsstandortes. So gibt es zum Beispiel das Thema „Brückenbau“. Da geht es darum, wie ein interkultuereller, interreligiöser oder gewaltfreier Dialog zwischen den Beteiligten an einer Schule aufgebaut werden kann. Dabei geht es nicht nur um Lehrkräfte, Schüler_innen, sondern auch um den Kiez oder auch andere Partner, die Interesse haben, mit der Schule zusammenzuarbeiten. Diese Themen sind abgeleitet von den Ideen und Wünschen, die Kindergärten und Schulen formulieren. Das soll auch zukünftig ein Standbein der Stiftung Bildung bleiben, dass die Basis mit ihrem ehrenamtlichen Engagement gesehen und gehört wird.

Wbiue?: Gibt es den Plan, die junge Generation mit in die Arbeit der Stiftung einzubeziehen?

Hintze: Natürlich! Es ist schon in der Aufbauphase geschehen. Wir wollen Kinder und Jugendliche darin bestärken, sich einzubringen, sich zu beteiligen, sich politisch zu äußern, auf Missstände hinzuweisen, sich eben auch zivilgesellschaftlich zu engagieren. Wir werden künftig ein „Stiftung Bildung Jugendteam“ haben, mit dem wir jungen Menschen genau dafür eine Plattform geben. Es gab in der Phase, in der wirdie Gründung der Stiftung vorbereitet haben, schon einzelne Projekte.

Wbiue?: Vor zwei Jahren haben Sie mit dem Aufbau der Stiftung Bildung begonnen. Gab es dafür einen ausschlaggebenden Moment?

Hintze: Das war ein lsfb-Seminar mit Dr. Christoph Mecking zum Thema Schulstiftungen. Da ging es darum, was der Unterschied zu einem Förderverein ist, welche Vor- und Nachteile eine solche Stiftung haben könnte und wie sie aufgebaut wird. Dabei haben wir festgestellt, dass eine Dachstiftungsich bundesweit um alle Belange von Schulen und Kindergärten kümmern könnte. Aus dieser Idee ist die Initiativgruppe der Stiftung Bildung entstanden.

Wbiue?: Und wie ging es dann weiter?

Von Treuenfels: Wir haben unsere Satzung mit den Landesverbänden bundesweit erarbeitet und gesagt: Wir werden schauen, ob wir das Stiftungskapital, was uns von der Stiftungsaufsicht hier in Berlin auf 100.000  Euro festgeschrieben wurde, zusammen bekommen. Jetzt ist es da!

Wbiue?: Nachdem Sie jetzt das Stiftungskapital zuammen haben. Woher soll künftig das Geld der Stiftung Bildung kommen?

Hintze: Privatpersonen sind unsere erste Wahl. Menschen, die gerne Bildung verbessern wollen, sind in der Regel Eltern an einer Schule oder an einem Kindergarten, die sich in Gremien und dem Förderverein ehrenamtlich engagieren. Für alle anderen gibt es die Stiftung Bildung und damit die Möglichkeit an vielen verschiedenen Standorten etwas zu verbessern.

Von Treuenfels: Außerdem ist jedes einzelne Bundesland gefragt, auch der Bund muss sich überlegen, wie er sich engagieren kann.

Wbiue?: Abgesehen von finanzieller Unterstützung, gibt noch eine andere Möglichkeit sich bei Interesse bei der Stiftung Bildung zu engagieren?

Hintze: Es kommt darauf an, was jemand machen möchte. Es gibt die Möglichkeit sich ehrenamtlich zu engagieren, da müsste man schauen, was das Interesse der einzelnen Person ist.. Kooperationspartner wie Stiftungen und Organisationen sind auch herzlich willkommen. Das andere, was wir tatsächlich brauchen, sind Büroräume. Ein Ort, wo die Geschäftsstelle der Stiftung Bildung eingerichtet werden könnte.

Wbiue?: Welche Vision haben Sie für die Stiftung Bildung?

Hinzte: Es wäre schön, wenn es gelingt, dass die Stiftung direkt an der Basis über das bundesweite Netzwerk der Fördervereine an Schulen und Kitas wirkt. Die Stiftung soll zivilgesellschaftliches Engagement stärken und praktisch zu jedem Bildungsstandort auch einen Zugang haben. Das heißt, ein komplettes stehendes Netzwerk haben und dort die handelnden Personen fördern.

Von Treuenfels: Für mich ist es das Bild der Rainbow Warrior. Wir müssen so schlagkräftig, innovativ und frech sein, dass wir mit unserem noch kleinen Boot blitzschnell überall sein können und an vielen Orten viel verändern. Andererseits müssen wir stark und unabhängig sein von Parteien und bildungspolitischen Strömungen.

Das Interview führte Bettina Malter.

Rainbow Warrior: 1978 kauften ein paar Umweltschützer einen rostigen Fischkutter.  Die Greenpeace-Aktivisten behinderten damit Walfänger oder  die Verklappung von Atommüll.  Das kleine Boot mit seiner mutigen Besatzung war bald sehr berühmt – und sehr lästig: die erste Warrior wurde bei einem Bombenattentat des französischen Geheimdienstes versenkt. Heute ist das dritte Schiff dieses Namens im Einsatz.

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