Nieder mit der Exzellenz

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Hochschullehrer wollen vor allem, dass Studierende ihrem Idealbild von sich selbst entsprechen. Die Untersuchung CHE-Quest zeigt aber, dass nur ein kleiner Teil der Studierenden dem Wunschbild der Professoren gleicht. Dass an ihnen der Lehrbetrieb an Universitäten ausgerichtet wird, benachteiligt alle anderen.

Jeder sucht sie, jeder will sie und jeder hat sie (zumindest, wenn die Konkurrenz fragt): exzellente Studierende. Aber niemand weiß, wer oder was das eigentlich sein soll: Sind es Studierende mit exzellenten Fähigkeiten auf dem jeweiligen Fachgebiet? Studierende mit sehr guten Noten im Abitur oder ist es doch das blendende Aussehen? Exzellenz ist das Modewort der Wissenschaftspolitik, nun auch für Studierende?

Schaut man auf die Auswahl der Studierenden für Studienplätze, so ist das bei weitem am häufigsten verwendete Kriterium die Abiturdurchschnittsnote. Exzellente Studierende sind also Generalisten, welche in allen Fächern sehr gute Leistungen erzielen. Andere Kritierien, wie gewichtete Fachnoten, praktische Vorerfahrung oder gar ehrenamtliches Engagement finden weitaus seltener Anwendung, obwohl sie oft als sinnvoll erachtet werden. Zu wenig Zeit für aufwändige Prüfungen mehrere Kriterien wird als Grund für den Verzicht angegeben. Ist dies der einzige Grund?

Laut der Umfrage CHE Quest wünschen sich Hochschullehrer vor allem solche Studierende, welche ihnen in Allgemeinbildung, Ausdrucksvermögen und Interessen am nächsten stehen. Dies betreffe aber nur etwa 13 Prozent der Studierenden, die  sogenannten Wunschkandidaten. Daneben gibt es weitere Studierendentypen, wie den Lonesome Rider, Pragmatiker oder Unterstützungsbedürftige. Jeder dieser Typen hat unterschiedliche Bedürfnisse, verschiedene Faktoren bestimmen über seinen Studienerfolg. Dieser Diversität wird an den Universitäten jedoch kaum Rechnung getragen: Die Studienbedingungen sind an den meisten Fakultäten auf die Wunschkandidaten zugeschnitten, die eben nur 13 Prozent der Studierenden ausmachen. Sie folgen einer Angebotsperspektive der Professorenschaft, die davon ausgeht, dass das, was gelehrt wird, am besten auf die Studierenden (resp. Wunschkandidaten) passt. Zur Exzellenz via Abiturnote kommt also noch die Anpassung an einen bestimmten Typ von Lehre.

So verwundert es nicht, dass auch der Deutsche Hochschulverband (DHV), die Professorengewerkschaft (sic!), die Bestenauswahl als geeignetstes Mittel zur Qualitätssicherung an deutschen Universitäten ausruft. Er sieht sogar – und verweist stolz darauf, dies immer wieder angemerkt zu haben – die „allgemeine Studierfähigkeit“ nachlassen Und dies schon 1993 – beinahe visionär!

Ungeklärt bleibt die Frage, warum exzellente Studierende zwar angeworben werden sollen, es aber keine Debatte darüber gibt, wie die Studienbedingungen so ausgestaltet werden können, dass sie für alle Studierendengruppen ein erfolgreiches Studium erleichtern können. In den USA ist dies bereits Praxis, in Deutschland gibt es bisher wenige Ansätze dazu. Dabei müsste die Frage, wenn man in der Exzellenzsemantik verbleibt, doch lauten: Wie produzieren wir exzellente Absolventen? Dazu bedarf es eines Nachfragens, was Studierende für ein erfolgreiches Studium benötigen und ein Anerkennen von Diversität.