Eure Vergangenheit ist nicht der Maßstab

Graffiti Maßstab

Foto: © Bettina Malter

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft Schüler aus verschiedenen Bundesländern, um mit ihnen u.a. über Bildung zu diskutieren. Dabei zieht sie ihre eigene Schullaufbahn heran, um schlechte Zustände wegzureden. Nach dem Motto: Wir haben es ja auch überlebt.

‚Früher war alles besser‘, um dieses Credo ging es der Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Treffen mit 50 Jugendlichen im Bundeskanzleramt nicht. Denn bei Bildungsthemen zählt dieser sehnende Rückblick der älteren Generation nur selten. Dieser wird nur herangezogen, wenn man sich skeptisch der Jugend zuwendet und sich beispielsweise über ihr Benehmen beschwert.

Wenn allerdings über Bildung gesprochen wird, so hat sich das Schulsystem seit Jahrzehnten kaum verändert und ein ‚Früher war alles besser‘ kann es also nicht geben. Daher muss sich die junge Generation anhören: Aus mir ist auch etwas geworden. So schlecht kann es dir jetzt also nicht gehen.

Auch unsere Kanzlerin hat genau diese Antwort gegeben. Während der Diskussion zum Thema Bildung auf einer Konferenz initiiert von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung thematisierten die Schüler aus Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen, dass für sie vor allem die große Klassenstärke ein Problem darstellt. Viele berichteten von Klassen mit 30 oder mehr Schülern und das verhindere eine gute Lernatmosphäre.

Und was antwortete die Kanzlerin?

Als sie zur Schule ging, wäre sie auch in einer Klasse mit 30 Schülern gewesen und: „Umgekommen sind wir da auch nicht.“

Nein, umgekommen ist sie nicht. Dass Klassen zu ihrer Zeit zu groß waren und es jetzt immer noch sind, sollte ihr allerdings zu denken geben. Doch warum wurden bislang keine Konsequenzen gezogen, wo doch offensichtlich ist, dass  Generationen vor dem gleichen Problem stehen?

In Deutschland hat sich bei Eltern und Entscheidern eine „Es-hat-uns-nicht-umgebracht-Mentalität“ etabliert, die nicht nur Reformvorhaben wie das Verkleinern von Klassen hemmt. Es scheint unmöglich zu sein, sich mit dieser Mentalität eine andere Schule vorzustellen, als die, die man selbst durchlaufen hat.

Und so steht die jetzige Schülergeneration noch vor den selben Problemen und Herausforderungen wie Merkels Generation – obwohl bekannt ist, wo es hakt. Und auf die Klassengröße bezogen, weiß auch Angela Merkel: „Kleiner ist natürlich schöner.“ Aber zu mehr als der Einsicht führt es dann leider nicht. Und so wird auch diese Schülergeneration nicht sehnend sagen können: Früher war alles besser.

Die ganze Jugendkonferenz im Kanzleramt findet ihr hier.