Betreuungsgeld ist Rückschritt

Tischtennisplatte

Foto: © Bettina Malter

Die Bundesregierung will das Betreuungsgeld einführen und man muss sich ernsthaft fragen, wem genau das nützen soll. Den Kindern wird es jedenfalls nicht zugutekommen.

Ab 2013 sollen Eltern, die ihre Kinder nicht in eine Kindertageseinrichtung schicken, 100 Euro monatlich erhalten. Ein Jahr später soll es dann noch um 50 Euro erhöht werden. Als Begründung für diesen Geldsegen wird angeführt, dass die Betreuung eines kleinen Kindes nur in der Familie gut funktionieren kann. Dass dieses Argument längst nicht mehr zeitgemäß und von vielen als ein Rückschritt gesehen wird, stört die Bundesregierung nicht und sie verharrt auf ihren Kurs – wie ein stures Kind.

Mit den 150 Euro pro Kind könnten Kitas ihre Schützlinge in wesentlich mehr Bereichen fördern, als das zu Hause möglich ist. Stattdessen, wird die individuelle Entscheidung der Eltern finanziell „honoriert“ – zumindest, wenn sie sich für den „richtigen“ Weg entscheiden.

Dass dieser Weg aber zu nichts mehr als sozialer Ungerechtigkeit sowie mehr Chancenungleichheit führt, wird von der Bundesregierung totgeschwiegen. So werden beispielsweise Eltern, die ihr Kind bei einer Tagesmutter betreuen lassen, gegenüber Eltern, die ihr Kind in eine Krippe bringen, bevorzugt. Diese erhalten nämlich trotzdem das Betreuungsgeld. Warum das so ist und wo da noch das „traditionelle“ Argument zieht, bleibt offen. Aber das sind wohl die Nebenwirkungen, die es bei jedem Medikament zu beachten gibt.

Kombiniert man diese Tatsache mit den Erfahrungen, dass in Deutschland der Bildungserfolg maßgeblich vom Elternhaus abhängt,so würde man durch die Einführung eines Betreuungsgeldes dies bereits innerhalb der ersten 36 Lebensmonate eines Kindes manifestieren. Eine schreckliche Vorstellung.

Bei Hartz-IV-Empfängern wird das Betreuungsgeld einfach mit anderen Bezügen verrechnet. Sie profitieren also nicht davon, wenn sie ihre Kinder zu Hause erziehen und werden damit schlicht benachteiligt. Wie bei den achso tollen Bildungsgutscheinen von Ursula von der Leyen, wird wieder pauschal allen Sozialleistungsempfängern unterstellt, dass sie weniger in der Lage sind frei zu entscheiden, was für ihre Kinder gut ist und was nicht. Dass damit die soziale Ungerechtigkeit in keinster Weise behoben wird, spielt keine Rolle. Was ist das bloß für eine Regierung, die einen derartigen Keil zwischen die einzelnen Milieus treibt. Es ist zum Verzweifeln.

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